|
Weit mehr als nur die Umrechnung der Pflegesätze Gerhard Rohde & Martin Grigo
Auch wenn viele Psychiatrische Einrichtungen es bis heute aufgrund noch guter Auslastung verdrängen: Das neue Entgeltsystem für die Krankenhauspsychiatrie wird die Branche nachhaltig und ähnlich verändern, wie es die Fallpauschalen im somatischen Kliniksektor ab 2004 getan haben. Mit einer neuen Kodiersoftware allein ist es dabei nicht getan. Gute Prozesse der Leistungserbringung sind die zentrale Stellgröße.
Die Weichen für die Einführung eines leistungsorientierten und pauschalierenden Entgeltsystems für psychiatrische und Psychosomatische Einrichtungen sind gestellt: Das neue Finanzierungssystem wird der bisherigen individuellen Kalkulation des Budgets ein Ende bereiten. Die Erlöse werden von den Kosten entkoppelt – kostentreibende, infrastrukturelle Besonderheiten werden dann keine Berücksichtigung mehr finden.
Es ist vom Gesetzgeber so gewollt: Mit der Einführung der Psych-DRGs werden neue Anreize in Bezug auf das Leistungsvolumen, die interne Prozessorganisation sowie auf die Kosten und die Qualität der Patientenversorgung gesetzt. In der Folge sind die Klinikbetreiber dazu aufgefordert, bestehende Strukturen und Prozesse zu überprüfen und an die vorgegebenen Rahmenbedingungen anzupassen, um ihr Optimierungspotenzial bestmöglich auszuschöpfen. Der Zeitrahmen ist dabei eng gesetzt.
Das neue System als Anreiz, die eigenen Behandlungsprozesse und Binnenstrukturen zu optimieren Einerseits werden Transparenz und Vergleichbarkeit zu einer Wettbewerbsoffensive führen, denn die nachweisbare Qualität wird zukünftig zum wesentlichen Entscheidungskriterium, wenn Patienten und Kassen als Kostenträger die Kliniken auswählen können. Andererseits wird erstmals aus dem Finanzierungssystem heraus ein Anreiz geschaffen, die eigenen Behandlungsprozesse sowie die Binnenstruktur zu optimieren. Dies führt zu einer verbesserten Steuerungsmöglichkeit des Leistungsgeschehens und somit zu einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der Behandlungs- und Versorgungsqualität.
Gute Prozesse der Leistungserbringung sind die zentrale Stellgröße – nur was erfasst wird, kann dokumentiert werden und nur was dokumentiert ist, wird bezahlt!
Die Prozesse der Leistungserbringung sind die zentrale Stellgröße für die Zukunft. Je eindeutiger und effektiver diese organisiert und standardisiert sind, desto optimaler werden die anfallenden Kosten sein. Darüber hinaus hängen die Erlöse eines Psychiatrischen Krankenhauses in Zukunft unmittelbar von der Qualität der Dokumentation ab. In diesem Zusammenhang kommen auf den ärztlichen Dienst sowie den Pflegedienst neue Aufgaben und viel Arbeit zu, die sich in den nachfolgenden Fragen zum Teil widerspiegeln.
- Müssen hausinterne Behandlungsprozesse und Binnenstrukturen hinsichtlich baulicher Strukturen, Wegezeiten, Energiekosten, Wirtschafts- und Versorgungskosten, Labor- und Radiologiekosten usw. optimiert werden?
- Ist ein standardisiertes Aufnahme- und Entlassungsmanagement vorzubereiten?
- Kann das vorhandene Krankenhausinformationssystem die internen Daten so abbilden, dass die administrativen Tätigkeiten optimiert werden können?
- Ist ein Medizincontrolling in der Lage, eine erlössichernde Dokumentation darzustellen?
- Sind die beteiligten Mitarbeitenden intern ausreichend auf das neue Entgeltsystem sensibilisiert und vorbereitet?
- Welche Aufgaben können delegiert werden, um die Qualität der Patientenversorgung halten zu können?
- Sind interne Kostenstrukturen des Rechnungswesens umzustellen und anzupassen (z.B. Gemeinkostenverrechnung der Residualgröße)?
- Wie kann die enge psychotherapeutische Beziehungsarbeit zwischen Ärzten, Pflegenden und Therapeuten innerhalb der Trägereinrichtungen intensiviert werden?
- Sind die richtigen strategischen Handlungsfelder zur zukünftigen medizinischen Leistungsausrichtung herausgearbeitet worden? Wer passt diese zu welcher Zeit an? (Stichwort »lernendes Entgeltsystem«)
Die Handlungsbedarfe sind komplex: Eine neue Software ist hier keine ausreichende Lösung.
Aufgrund der zukünftigen Rahmenbedingungen ergeben sich vor der Einführung der Psych-DRGs für die Krankenhäuser primär folgende Handlungsbedarfe (auszugsweise):
- Profilierung und strategische Positionierung
- Optimierung von Prozessabläufen, Personaleinsatz und Dienstplangestaltung
- Aktualisierung des Zuweisermanagements
- Der Umbruch in den Denkwelten der Mitarbeitenden: Vom Strukturdenken zum bereichsübergreifenden Prozessdenken
- Der aktuelle Leistungsvergleich mit dem Wettbewerb
- Abstimmung des Leistungsspektrums (Spezialisierung als Alleinstellungsmerkmal)
- Gewährleistung einer optimalen Leistungstransparenz
- Sicherstellung einer optimalen Dokumentations- und Kodierqualität
- Entwicklung eines Maßnahmenbündels zur Fallzahlsteigerung
- Etablierung einer interdisziplinären Teamarbeit
- Optimierung von Einkauf und Kostencontrolling
- Mitarbeitermotivation und -schulung im Rahmen des Transformationsmanagements.
Welche Möglichkeit gibt es für die Psychiatrische Einrichtung, ihre Erlöse zu steigern?
Über das Angebot spezieller Leistungen können die Erlöse des Krankenhauses nachhaltig gesteigert werden, z.B. durch die Selektion von Gruppen- oder Einzeltherapieformen, Wartezeitenvermeidung und Reibungsverluste bei der Therapiedurchführung, eindeutige Indikationsstellung sowie einen sofortiger Therapiebeginn durch prästationäre Therapieplanung.
Wie können Kosten reduziert oder zumindest begrenzt werden?
Die Reduzierung von Kosten bei Sockelleistungen stellt eine weitere Option dar:
- Notwendigkeiten und Umfang von Einzelleistungen
- Delegation von komplementären Leistungen
- Prüfung von Sitzungen und Besprechungen (Regelkommunikation) auf Notwendigkeit, Zielorientierung, Dauer, Pünktlichkeit und Ressourcenbindung
- Optimaler EDV-Einsatz
Die Neupositionierung der Psychiatrischen Einrichtungen als Chance des neuen Entgeltsystems verstehen Die Erfahrungen aus der Umstellung somatischer Krankenhäuser auf das DRG-System haben gezeigt, dass sich eine frühzeitige und intensive Auseinandersetzung mit dem neuen Entgeltsystem auszahlt. Die Krankenhäuser der Psychiatrie und Psychosomatik sind daher dazu aufgefordert, die kurze Zeit, die bis zur vollständigen Umsetzung der pauschalierten Entgelte im Jahr 2013 verbleibt, gezielt zu nutzen, um sich für die bevorstehenden Herausforderungen »fit« zu machen.
Schriftliche Expertisen reichen nicht aus: Eine externe Umsetzungsbegleitung führt zu nachhaltigem Erfolg Die Praxiserfahrung zeigt, dass eine Begleitung durch externe Berater, die auf eine jahrelange Praxiserfahrung sowie professionelle Expertise in der Managementberatung und Organisationsentwicklung zurückgreifen können, nicht nur durch zeitliche Entlastung sinnvoll und zielführend ist. Denn sie besitzen das Know-how, das Management von Krankenhäusern und Abteilungen der Psychiatrie bzw. Psychosomatik in diesem wichtigen Veränderungsprozess nachhaltig zu unterstützen. Gute Beratungsunternehmen gehen auch in die Umsetzungsverpflichtung und »stehen« zu ihren Lösungsansätzen. Um das Potenzial dieser Lösungsansätze einschätzen zu können, reicht im ersten Schritt eine dreitägige »Psych-DRG- Diagnose«, die rasch Klarheit schafft.
Gerhard Rode & Martin Grigo |