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Das Freiwillige Soziale Jahr zur Personalgewinnung nutzen
Julia Hornung & Christiane Poigné

Der Pflegeberuf gilt bei Schülern und Schulabgängern, also potenziellen Auszubildenden und Mitarbeitenden der Pflegebranche, nicht gerade als »In«-Beruf. Ganz im Gegenteil: Für die meisten Schüler ist eine berufliche Zukunft in der Pflegebranche, insbesondere in der Altenpflege, kaum vorstellbar. Dies stellt den sozialen Sektor vor die Herausforderung, den Nachwuchs gezielt von der Attraktivität der Branche zu überzeugen und infolgedessen als zukünftige Mitarbeitende zu gewinnen.


Berufen im Pflegesektor haftet häufig ein negatives Image an. Dies kann sowohl auf den Mangel an Informationen rund um die Berufs- und Karrieremöglichkeiten in der Branche als auch auf das oft negativ behaftete Arbeitgeberimage sozialer Organisationen zurückgeführt werden.1
Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht der Tatsache, dass Organisationen den Mangel an Nachwuchskräften jetzt schon deutlich zu spüren bekommen, ist es notwendig, Schüler bzw. Schulabgänger möglichst frühzeitig über Berufschancen in der Pflege zu informieren und an den Pflegesektor heranzuführen.


Es wird zukünftig erforderlich, zielgerichtete Strategien im Pflegesektor zu entwickeln, um speziell bei Schülern und Schulabgängern ein positives Arbeit­geberimage aufzubauen.
Einen Weg, um zukünftige Mitarbeitende bzw. Auszubildende zu akquirieren, bietet das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Es eröffnet jungen Menschen im Alter zwischen 15 bzw. 16 Jahren und der Vollendung des 27. Lebensjahres die Möglichkeit, im Feld sozialer Arbeit ganztägig praktische Hilfstätigkeiten in gemeinwohlorientierten Einrichtungen, wie zum Beispiel in der Gesundheitspflege, Kinder- und Jugendhilfe oder Alten- und Behindertenhilfe, zu leisten.
Ein FSJ gewährt folglich aktive Einblicke in die Arbeit im Pflegebereich, welche mit persönlichen und prägenden Erfahrungen verknüpft werden. Speziell diese persönlichen Erfahrungen während der (beruflichen) Orientierungszeit der jungen Erwachsenen können einen Einfluss auf die spätere Berufswahl haben. 


Letztendlich führt das FSJ häufig dazu, dass Freiwillige sich eine berufliche Tätigkeit im Bereich ihrer ehemaligen Dienststelle vorstellen können und sich bewusst hierfür entscheiden.2
Das Freiwillige Soziale Jahr bietet eine Möglichkeit, Berufseinsteiger als zukünftige Arbeitnehmer für den sozialen Sektor zu gewinnen.
Diese Möglichkeit gilt es jedoch gekonnt zu nutzen. Einerseits müssen Schüler und Schulabgänger hinreichend über das Thema und die Inhalte des FSJ informiert werden. Andererseits müssen sowohl Freiwillige, die derzeit ihren Freiwilligendienst ableisten, als auch ehemalige Freiwillige an das Unternehmen gebunden werden.


Schüler können mittels verschiedener Kommunikationswege über das Freiwillige Soziale Jahr informiert werden.
Insbesondere die Anwendungen des web 2.0, speziell Facebook, bieten viele Wege, die Bekanntheit des FSJ bei Schülern zu steigern. Eine Facebook-Fanpage, als Social-Media Äquivalent3 zur Unternehmenshomepage, bietet die Möglichkeit, über das FSJ im Allgemeinen zu informieren, über aktuelle Geschehnisse innerhalb der Organisation aufmerksam zu machen oder vakante Stellen bzw. Ausbildungsplätze online zu bewerben. Des Weiteren hat die Gestaltung der Unternehmenshomepage (und der hier platzierten Karriereseite) einen enormen Einfluss darauf, ob Interesse für die Organisation bei einem potenziellen Bewerber geweckt werden kann. Dies ist vor allem im Wettbewerb um junge Mitarbeitende von Bedeutung, da diese oft ausschließlich das Netz zur Informationsgewinnung nutzen.4 Auch der Einfluss von Eltern bei der Berufswahl ihrer Kinder sollte nicht unterschätzt werden. In einer aktuellen Umfrage gaben rund 71,5 Prozent der Schüler an, dass sie Vorschläge ihrer Eltern zur Wahl eines Berufes annehmen würden. Dies macht deutlich, dass Informationen rund um das FSJ auch an Eltern herangetragen werden müssen, um auch sie zu überzeugen.


Von Beginn an gilt es, die Freiwilligen, die aktuell ihren Freiwilligendienst ableisten, an die Organisation zu binden.
Für die Bindung der Freiwilligen wird vor allem der pädagogischen Betreuung während des Dienstes ein hohes Gewicht beigemessen. Sie setzt sich aus Seminaren und individueller Betreuung durch Fachkräfte des Trägers zusammen und hat als Ziel, den Austausch der Freiwilligen untereinander zu fördern sowie Reflexionsmöglichkeiten zu bieten.5 Die Betreuung ist wichtig, da so Konflikten oder Situationen der Überforderung entgegengewirkt werden kann. Überdies wird den Freiwilligen vermittelt, dass man ihnen in der Organisation Gehör schenkt, und sie erfahren von Beginn an einen positiven Umgang der Einrichtung mit ihren Mitarbeitenden.
Während des Dienstes sollte den Freiwilligen außerdem bewusst gemacht werden, welch vielfältige Karrieremöglichkeiten der soziale Sektor bietet. Dies bedeutet bspw., dass eine Führungskraft oder die pädagogische Begleitung dem Freiwilligen anschlussfähige Karrierewege innerhalb der Organisation, zum Beispiel in Form einer Berufsausbildung aufzeigt.
Kontakt zu ehemaligen Freiwilligen zu halten, ist für die Organisation wesentlich.
Durch den Kontakt zu Ehemaligen wird diesen signalisiert, dass von Seiten der Organisation Interesse an einer Zusammenarbeit besteht. Denn es ist häufig so, dass ehemalige Freiwillige sich bei der Wahl des ersten Arbeitgebers nicht direkt für die einstige Dienststelle entscheiden, aber in Zeiten einer späteren beruflichen Neuorientierung entscheiden sie sich aufgrund positiver Erinnerungen bewusst erneut für diese als Arbeitgeber.
Der Kontakt zu Ehemaligen kann zum Beispiel via Mailings oder Alumninetzwerke gehalten werden. Zielgruppenspezifische Mailings können bspw. sowohl über aktuelle Neuerungen im Unternehmen informieren als auch Einladungen zu Veranstaltungen, wie beispielsweise Ehemaligentreffen, enthalten. Alumninetzwerke dienen dem Meinungsaustausch unter Ehemaligen und mit ihnen. Derartige Gruppen können besonders einfach in Sozialen Netzwerken wie LinkedIn oder Facebook eröffnet werden. Wichtig ist dabei, dass dieser Austausch auf einer persönlicheren Ebene stattfindet als auf einer Facebook Fanseite, da die Ehemaligen grundsätzlich einen engeren Bezug zur Organisation haben.


Generell gilt, dass ein FSJ enormes Potenzial bietet, motivierte Auszubildende bzw. Mitarbeitende vom Arbeitgeber zu überzeugen und für sich zu gewinnen. Allerdings sollte dabei stets bedacht werden, dass der Aspekt der Personalgewinnung nicht im Vordergrund stehen darf. Das FSJ dient in erster Linie dazu, Jugendlichen eine Möglichkeit der persönlichen und beruflichen Orientierung für den weiteren Lebensweg zu geben, und sollte diesen Charakter auch beibehalten.

Julia Hornung & Christiane Poigné

Anmerkungen:

  1. Vgl. Institut für Public Health und Pflege­forschung (2010). »Image­kam­pagne für Pflegeberufe auf der Grundlage empirisch gesicherter Daten« – Ein­stel­lungen von Schüler/innen zur möglichen Ergreifung eines Pflegeberufes – Ergebnisbericht.
  2. Vgl. Diakonie (2008). Das Frei­wil­li­ge Soziale Jahr (FSJ) und sein Bei­trag zur Personal­gewinnung.
  3. »Social Media ist der Überbegriff für Medien, die es Nutzern er­mög­lichen Meinungen, Eindrücke, Er­fah­rungen oder Informationen aus­zutauschen oder Wissen zu sammeln.«“
  4. BITKOM (2011). Jugend 2.0. Eine repräsentative Untersuchung zum Internetverhalten von 10- bis 18-Jährigen.
  5. Vgl. Bundesministerium für Fa­mi­lie, Senioren, Frauen und Ju­gend (2010). Freiwilliges Soziales Jahr – Freiwilliges Ökologisches Jahr.
 
Interview: Matthias Konrad zum Controlling in der Altenhilfe

04_2014_HuC_thumbCathrin Conradi interviewt in Health&Care Management, Ausgabe 4/2014 Mathias Konrad zum Controlling in der Altenhilfe. Ausgehend vom Stand des Controllings im Krankenhaus wird u.a. der SROI-Ansatz (Social Return on Invest) angesprochen. Lesen Sie hier den ganzen Artikel, wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung der Holzmann Medien GmbH & Co.KG, Redaktion Health&Care Management, www.hcm-magazin.de.

"Häusliche Pflege" (Vincentz) über das Democheck-Projekt in Rheinland-Pfalz

HP_0414"Fit für die Zukunft: attraktive Beschäftigung für die Pflege" - in Ausgabe 4|2014 schreibt "Häusliche Pflege" über das Democheck-Projekt, mit dem das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie (MSAGD) des Landes Rheinland-Pfalz Pflegeeinrichtungen unterstützt. 50 Einrichtungen der rheinland-pfälzischen Altenpflege können einen vom Ministerium finanzierten Beratungstag gewinnen. So werden die Pflegedienste in den Stand versetzt, sich mit demografiefester und zukunftsorientierter Personalpolitik als attraktive Arbeitgeber zu etablieren.

Genaueres im web: http://www.democheckpflege.de

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion "Häusliche Pflege" von Vincentz Network

Caritas Lünen • Selm • Werne auf dem Weg zur starken Arbeitgebermarke

contec_Caritas_News_Dezember_2013Die caritas news Lünen-Selm-Werne berichtet über ein erfolgreiches Demografieprojekt unter Mitwirkung von contec. Ein interessanter und informativer Werkstattbericht mit detaillierten Einblicken in Problemstellung, Zielsetzung, Vorgehensweise und die Einbindung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: So sichert die Caritas ihre Zukunft auch in Zeiten knapper Fachkräfte! Lesen Sie hier den ganzen Artikel. Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung des Caritasverbandes Lünen-Selm-Werne e.V.

MdB Dirk Heidenblut zu Besuch bei contec

BMZ_800Der Essener SPD-Bundestagsabgeordnete Heidenblut ist Mitglied im Gesundheitsausschuss und dort u. a. verantwortlich für die Telemedizin. So hat sein Interesse am Westdeutschen Teleradiologieverbund gleich mehrere Wurzeln.

Die Initiatoren der MedEcon Telemedizin GmbH im BioMedizinZentrum Ruhr (BMZ) haben die Gelegenheit gern genutzt, ihm die Funktionsweise und den Nutzen dieser herstellerunabhängigen und standardkonformen Plattform zum Austausch medizinischer Bilddaten vorzustellen. Gemeinsam erörterte man mögliche zukünftige Entwicklung.

Kontakt i.S. Telemedizin: Maike Mülders (maike.muelders@contec.de)

socialnet über Controlling-Studie

altsocialnet, "das Netz für die Sozialwirtschaft", hat sich intensiv mit der unter contec-Beteiligung erstellten Studie "Controlling in kommunalen Jugend- und Sozialhilfeverwaltungen"  auseinandergesetzt und kommt zu einem positiven Fazit: "Lesenswert". Lesen Sie die ausführliche Rezension hier auf socialnet.