Startseite conZepte conZepte 02-2011 Zunahme von Demenz und der Alltag im Krankenhaus
Zunahme von Demenz und der Alltag im Krankenhaus Drucken E-Mail

Lösungswege für ein wachsendes Problem
Thomas Berg & Sven Spier

Schon seit vielen Jahren wächst der Anteil älterer und hochbetagter Patienten im Krankenhaus. Diese Folge der demografischen Entwicklung stellt eine besondere Herausforderung im Krankenhausalltag dar, weil eine weitere Komponente hinzukommt, die den DRG-optimierten Ablauf konterkariert – die Demenz als Nebendiagnose und die damit verbundenen individuellen Bedürfnisse und Probleme dieser Patientengruppe. 


Grundsätzlich stellt sich die Frage, wie mit dem zu erwartenden Anteil von bis zu 25% Patienten mit der Kombination »Primärdiagnose X + Nebendiagnose Demenz« in der Institution Krankenhaus umgegangen werden kann. Im Mittelpunkt des Aufenthalts im Krankenhaus steht das Ziel, dem Betroffenen im Hinblick auf seine Einweisungsdiagnose zu helfen, kurativ oder ggf. palliativ zu behandeln und den Aufenthalt im Klinikumfeld so kurz wie möglich und so lange wie nötig zu gestalten. Darauf sind die Abläufe im Krankenhaus ausgerichtet. Das Interesse des Krankenhauses auf Wahrnehmung der eigenen Aufgabe »Helfen und Heilen« wird flankiert von der Realität der DRGs mit der Folge, dass die Wirtschaftlichkeit der Versorgung eine starke Rolle spielt.


Was geschieht, wenn sich nun die oben beschriebene Realität mit den Auswirkungen einer demenziellen Erkrankung addiert? Die Demenz als zweite Erkrankung tritt in den Planungen hinsichtlich des Ablaufs des Aufenthalts häufig in den Hintergrund. Das hat für die demenziell beeinträchtigten Patienten nicht selten verhängnisvolle Folgen. Ein Klinikaufenthalt, der für jeden Betroffenen eine psychische Belastung darstellt, kann demenziell Beeinträchtigte überfordern. Sollte sogar eine bisher unerkannte Demenz vorliegen, potenzieren sich die Auswirkungen zulasten des Patienten auf der einen und zu Ungunsten der Krankenhausabläufe auf der anderen Seite. Dies führt zu mangelnder Anpassung von Pflege, Diagnostik und Behandlung an Bedarf und Bedürfnisse der Demenzkranken.


Ansätze zur Lösung
Idealerweise wären Demenzpatienten in einer Umgebung aufgehoben, die sich nach ihren Bedürfnissen richtet. Eine höchstmögliche Individualisierung und eine personenbezogene Versorgung helfen beim Umgang mit Dementen. Eine Station oder Abteilung mit einem eindeutigen Schwerpunkt auf demenziell beeinträchtigte Patienten käme im Kontext Krankenhaus als Ansatz in Frage. Häufig sprechen aber Verweildauern und wirtschaftliche Möglichkeiten der Häuser gegen eine praktische Umsetzung mit Spezialisierung und den zugehörigen Spezialisten. Mit Zunahme des Anteils von demenziell erkrankten Patienten wird sich dies jedoch ändern müssen. Zur praktischen Anwendung der Erkenntnisse über den Umgang mit Demenz im Krankenhaus benötigen die Pflegekräfte grundlegende Kenntnisse über das Themenfeld. Dieses Basiswissen ist der Ansatzpunkt, um die möglichen und notwendigen Informationen im Alltag sammeln und patientenorientiert anwenden zu können. Fehlt dieses Wissen, so führt dies dazu, das die Verhaltensweisen der Patienten unter falschen Prämissen beobachtet werden können: Der Störeffekt auf den Ablauf der Stationsarbeit steht dann häufig im Vordergrund.
Diese Situation führt zu einer immensen Belastung sowohl der Betroffenen als auch des Personals. Häufig wird dann mit der Gabe von Sedativa reagiert, um den weiteren stationären Behandlungsverlauf zu ermöglichen. Eine Reaktion auf einen erst im Krankenhaus ausgelösten Bedarf – die Frage nach der Vermeidung dieses Bedarfs liegt auf der Hand! Die oben angesprochenen Grundkenntnisse müssen in die Einrichtungen hinein gebracht werden. Die Schaffung von Experten auf der Ebene des täglichen Arbeitens – in der Mitarbeiterschaft der Pflege also – ist ein Weg, den Kliniken beschreiten. Klinikinterne Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für alle Mitarbeitenden, Workshops mit externen Experten – es gibt für die unterschiedlichen Möglichkeiten und Bedarfe Angebote. Neben diesen Ansätzen der internen Weiterentwicklung der Krankenhäuser haben sich aber auch intensive Kooperationen mit Pflegeeinrichtungen als sinnvoll herausgestellt. Klar definierte Prozesse an den Schnittstellen von Pflegeheim und Krankenhaus, die Einbeziehung des Sozialdienstes und die genauen Kenntnisse über die Patienten erleichtern die Übergänge in beide Richtungen.  Die Kombination aus gut geschultem und sensiblem Personal sowie einem klar strukturierten und eng begleiteten Schnittstellenmanagement Pflegeheim/ Krankenhaus bieten die beste Gewähr für einen Krankenhausaufenthalt, der zwar durch die Demenz der Patienten beeinflusst, aber nicht negativ beeinträchtigt wird.

Thomas Berg & Sven Spier

 
Sozialpolitische Schriften, Band 92: Einrichtungen der stationären Altenpflege im Wandel – von Dr. Thomas Müller

Einrichtungen der stationären Altenpflege im Wandel – von Dr. Thomas Müller "Einrichtungen der stationären Altenpflege im Wandel" - unter diesem Titel erschien die Promotionsarbeit unseres Geschäftsführers Dr. Thomas Müller. Der Verlag beschreibt das Werk, das als Band 92 der Reihe "Sozialpolitische Schriften" im Verlag Duncker & Humblot erschien, so:

Thomas Müller untersucht Veränderungs- und betriebswirtschaftliche Anpassungsprozesse und deren Auswirkungen auf die Personalbeschaffung von Leitungskräften in Einrichtungen der stationären Altenpflege. Analytisch wird nachgezeichnet, dass vielschichtige Veränderungen umfassende betriebswirtschaftliche Anpassungsprozesse bedingten.

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neue caritas 11/2015: "Das Gehalt ist nicht alles" (Rezension unserer Vergütungsstudie)

neue caritas 11.2015, S. 42Die "neue caritas", herausgegeben vom Deutschen Caritasverband, geht in der aktuellen Ausgabe auf unsere jüngste Vergütungsstudie ein und nennt die wichtigsten Erkenntnisse, zum Beispiel die Bedeutung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch, so fand das Autorenteam um Dr. Müller heraus,  empfinden Frauen ihr Gehalt häufiger als unangemessen niedrig als Männer dies tun. Lesen Sie hier den ganzen Artikel, wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung der Redaktion neue caritas.

Die contec Vergütungsstudie 2014 gibt's im contec-shop.

Innovationsmanagement in der Sozialwirtschaft - aktuelles Fachbuch von einem namhaften Autorenteam

Innovationsmanagement in der SozialwirtschaftProf. Dr. Gabriele Moos vom RheinAhrCampus Remagen und André Peters, langjähriger Mitarbeiter der contec und heute Finanzvorstand bei der Diakonie Baden, zeichnen gemeinsam als Herausgeber des Sammelbandes verantwortlich.

Der Verlag schreibt: Innovationen sind auch in der Sozialwirtschaft aktiv durch Managementprozesse aufzuspüren, zu unterstützen und weiterzuentwickeln. Neue Lösungen, wie soziale Dienstleistungen organisiert, finanziert und erbracht werden können, sind gefragt. Erfolgreich sind Innovationen in der Sozialwirtschaft erst dann, wenn sich das „Neue“ als sinnvoll erweist und Einzug in die Praxis genommen hat.

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newsletter der Behindertenhilfe 2015.08 erschienen

newsletter_Behindertenhilfe_2015.08Der neue Newsletter der Behindertenhilfe ist erschienen und an die Abonnenten versandt worden. Sie können ihn hier anschauen/herunterladen.

Abo-Wünsche bitte an: news-behindertenhilfe@contec.de.

Diskussionen und Roboterbeine: Bürgerdialog zum Thema Gesundheit im Bergmannsheil

Bürgermeisterkandidat Thomas Eiskirch, SPD (3. v.l.) beim Bürgerdialog Gesundheit über den Dächern von BochumNamhafte Gäste aus der Bochumer Gesundheitswirtschaft, angeregte Diskussionen und Roboterbeine bestimmten den ersten Bürgerdialog von SPD-Oberbürgermeisterkandidat Thomas Eiskirch (3. v. l. ). Am Donnerstag, den 06.06.2015, hatte er zur Diskussion ins Café des Bergmannsheils geladen.

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