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Lösungswege für ein wachsendes Problem Thomas Berg & Sven Spier
Schon seit vielen Jahren wächst der Anteil älterer und hochbetagter Patienten im Krankenhaus. Diese Folge der demografischen Entwicklung stellt eine besondere Herausforderung im Krankenhausalltag dar, weil eine weitere Komponente hinzukommt, die den DRG-optimierten Ablauf konterkariert – die Demenz als Nebendiagnose und die damit verbundenen individuellen Bedürfnisse und Probleme dieser Patientengruppe.
Grundsätzlich stellt sich die Frage, wie mit dem zu erwartenden Anteil von bis zu 25% Patienten mit der Kombination »Primärdiagnose X + Nebendiagnose Demenz« in der Institution Krankenhaus umgegangen werden kann. Im Mittelpunkt des Aufenthalts im Krankenhaus steht das Ziel, dem Betroffenen im Hinblick auf seine Einweisungsdiagnose zu helfen, kurativ oder ggf. palliativ zu behandeln und den Aufenthalt im Klinikumfeld so kurz wie möglich und so lange wie nötig zu gestalten. Darauf sind die Abläufe im Krankenhaus ausgerichtet. Das Interesse des Krankenhauses auf Wahrnehmung der eigenen Aufgabe »Helfen und Heilen« wird flankiert von der Realität der DRGs mit der Folge, dass die Wirtschaftlichkeit der Versorgung eine starke Rolle spielt.
Was geschieht, wenn sich nun die oben beschriebene Realität mit den Auswirkungen einer demenziellen Erkrankung addiert? Die Demenz als zweite Erkrankung tritt in den Planungen hinsichtlich des Ablaufs des Aufenthalts häufig in den Hintergrund. Das hat für die demenziell beeinträchtigten Patienten nicht selten verhängnisvolle Folgen. Ein Klinikaufenthalt, der für jeden Betroffenen eine psychische Belastung darstellt, kann demenziell Beeinträchtigte überfordern. Sollte sogar eine bisher unerkannte Demenz vorliegen, potenzieren sich die Auswirkungen zulasten des Patienten auf der einen und zu Ungunsten der Krankenhausabläufe auf der anderen Seite. Dies führt zu mangelnder Anpassung von Pflege, Diagnostik und Behandlung an Bedarf und Bedürfnisse der Demenzkranken.
Ansätze zur Lösung Idealerweise wären Demenzpatienten in einer Umgebung aufgehoben, die sich nach ihren Bedürfnissen richtet. Eine höchstmögliche Individualisierung und eine personenbezogene Versorgung helfen beim Umgang mit Dementen. Eine Station oder Abteilung mit einem eindeutigen Schwerpunkt auf demenziell beeinträchtigte Patienten käme im Kontext Krankenhaus als Ansatz in Frage. Häufig sprechen aber Verweildauern und wirtschaftliche Möglichkeiten der Häuser gegen eine praktische Umsetzung mit Spezialisierung und den zugehörigen Spezialisten. Mit Zunahme des Anteils von demenziell erkrankten Patienten wird sich dies jedoch ändern müssen. Zur praktischen Anwendung der Erkenntnisse über den Umgang mit Demenz im Krankenhaus benötigen die Pflegekräfte grundlegende Kenntnisse über das Themenfeld. Dieses Basiswissen ist der Ansatzpunkt, um die möglichen und notwendigen Informationen im Alltag sammeln und patientenorientiert anwenden zu können. Fehlt dieses Wissen, so führt dies dazu, das die Verhaltensweisen der Patienten unter falschen Prämissen beobachtet werden können: Der Störeffekt auf den Ablauf der Stationsarbeit steht dann häufig im Vordergrund. Diese Situation führt zu einer immensen Belastung sowohl der Betroffenen als auch des Personals. Häufig wird dann mit der Gabe von Sedativa reagiert, um den weiteren stationären Behandlungsverlauf zu ermöglichen. Eine Reaktion auf einen erst im Krankenhaus ausgelösten Bedarf – die Frage nach der Vermeidung dieses Bedarfs liegt auf der Hand! Die oben angesprochenen Grundkenntnisse müssen in die Einrichtungen hinein gebracht werden. Die Schaffung von Experten auf der Ebene des täglichen Arbeitens – in der Mitarbeiterschaft der Pflege also – ist ein Weg, den Kliniken beschreiten. Klinikinterne Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für alle Mitarbeitenden, Workshops mit externen Experten – es gibt für die unterschiedlichen Möglichkeiten und Bedarfe Angebote. Neben diesen Ansätzen der internen Weiterentwicklung der Krankenhäuser haben sich aber auch intensive Kooperationen mit Pflegeeinrichtungen als sinnvoll herausgestellt. Klar definierte Prozesse an den Schnittstellen von Pflegeheim und Krankenhaus, die Einbeziehung des Sozialdienstes und die genauen Kenntnisse über die Patienten erleichtern die Übergänge in beide Richtungen. Die Kombination aus gut geschultem und sensiblem Personal sowie einem klar strukturierten und eng begleiteten Schnittstellenmanagement Pflegeheim/ Krankenhaus bieten die beste Gewähr für einen Krankenhausaufenthalt, der zwar durch die Demenz der Patienten beeinflusst, aber nicht negativ beeinträchtigt wird.
Thomas Berg & Sven Spier
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