Startseite conZepte conZepte 03-2011 WfbM 2.0: Die Netzwerkstrategie für nachhaltiges Unternehmertum!
WfbM 2.0: Die Netzwerkstrategie für nachhaltiges Unternehmertum!

Ferdinand Schäffler


Die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung sowie angestrebte Reformprozesse der Arbeits- und Sozialministerkonferenz (ASMK) im Leistungssystem gelten als größter Paradigmenwechsel der Eingliederungshilfe seit Einführung des SGB IX. Wesentliche Veränderungen zeichnen sich dabei insbesondere im Bereich der Werkstätten für Menschen mit Behinderung ab:

Eine personenzentrierte Ausrichtung von Teilhabeleistungen, die Stärkung der Wunsch- und Wahlrechte sowie die Intensivierung von Wettbewerb über Ausschreibungen und die Differenzierung der Leistungsangebote lassen eine hohe Dynamik auf dem Markt der beruflichen Rehabilitation erwarten. Proaktive Anbieter verstehen diese Entwicklung als Chance, gut vernetzt den Wandel zu meistern und dabei neue Geschäftsfelder nachhaltig zu erschließen.


Wesentlicher Einflussfaktor auf sozialpolitische Wirkmechanismen und damit auf die strategische Neuausrichtung von Werkstätten für Menschen mit Behinderung sind die Folgen und Pers­pektiven des demografischen Wan­dels. Absolut und relativ sinkt der Anteil Erwerbstätiger im Bürger-Mix einer alternden Gesellschaft. Lei­stungsträger stehen dabei vor der doppelten Herausforderung, das Korsett der Kosten enger zu schnüren und es gleichzeitig den steigenden Bedarfen durch Alter und Pflege anzupassen. Stellschrauben dieser Entwicklung sind insbesondere die Verlängerung der Lebensarbeitszeit, die Erhöhung des Anteils an Erwerbstätigen sowie die Steuerung von Leistungen über Wettbewerb und Wirkungsorientierung.


Leistungsempfänger fordern zu Recht – und das bereits vor Beginn des Inklusionszeitalters – passgenaue Teilhabeangebote, die auf Chancengleichheit hinsichtlich einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung abzielen, die Kundensouveränität fördern und die Verwirklichung selbstbestimmter Lebensentwürfe verfolgen. Der steigende Bedarf an Assistenz im Arbeitsleben von Menschen mit seelischen Behinderungen verleiht der von allen Seiten geforderten und notwendigen Differenzierung der bestehenden Angebotsstruktur zusätzlichen Nachdruck.
Wagt man einen Blick in die Erwerbswirtschaft, zeichnet sich auch hier bereits heute eine dramatische Entwicklung als Folge des demografischen Wandels ab: So prognostizieren Experten ein Defizit von ca. 6,5 Mio. Fachkräften im Jahr 20251 in Deutschland. Um Wachstum und Wohlstand unserer Volkswirtschaft zu sichern, gilt es, zukünftig nach Wegen zu suchen, generell mehr Menschen in Arbeit zu bringen, zusätzliche Fachkräfte zu gewinnen und die vorhandenen Fachkräfte optimal einzusetzen.
Gewinne inklusive! Vergleicht man die demografisch bedingten Entwicklungen sowie die Einflussfaktoren von Sozial- und Erwerbswirtschaft, ergeben sich zahlreiche Potenziale für Werkstätten und andere Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation und Teilhabe: Durch gezielte und systematische Vernetzung mit anderen regionalen Akteuren können sie ihre Expertise als Kompetenzzentren und Systemanbieter passgenauer Ausbildungs- und Beschäftigungsprogramme gewinnbringend einsetzen. Mit ihren Kernkompetenzen in der Schaffung von Nischenarbeitsplätzen und durchlässigen Qualifizierungsangeboten erweitern Sie dabei kontinuierlich den Adressatenkreis ihrer Beschäftigungs- und Arbeitsmarktdienstleistungen. Zukünftig erweitert sich damit der Auftrag von Werkstätten, als Netzwerker und Gestalter regionaler Entwicklung zu agieren. Damit dies gelingt, empfiehlt sich eine modulare Umsetzung der WfbM 2.0 Strategie.

  • Implementierung eines arbeitsmarktnahen Qua­lifizierungssystems: Aktuelle Reform­be­stre­bun­gen bzgl. des Lei­stungs­systems (ASMK-Papie­re) konkretisieren sich darin, dass zukünftig ver­stärkt Strukturen und Anreize geschaffen werden, wel­che differenzierte Formen sozialversicherungs­pflichtiger Beschäftigung for­cieren. Ebenso sig­na­li­sieren Unternehmen im Kon­text eines zuneh­men­­den Fachkräftemangels den Bedarf, vorhan­dene Fach- und Führungskräfte durch die Schaf­fung von Nischenarbeitsplätzen in ihren unter­neh­me­ri­schen Prozessen zu entlasten. Gemeinsamer Er­folgs­fak­tor beider Anliegen ist eine anschluss­fä­hige (Vor-) Qualifizierung in ge­wohnter betrieb­li­cher Praxis, orientiert an aner­kann­ten Ausbil­dungs­­berufen im dualen System.
  • Vernetzung mit Bildungsträgern zur Sicher­stel­lung der Durchlässigkeit: Eine Durchläs­sigkeit des eigenen Qualifizierungs­an­satzes ist Voraus­set­zung für die Folge- bzw. Be­gleit­qua­li­fi­zie­rung bei Bildungsträgern. De­mo­gra­fisch be­dingt, verzeich­nen diese ebenso einen Schwund bei Auszubil­den­den und gelten daher, auch im Kontext der Ver­ga­be­praxis, als entschei­den­de Partner strategischer Allianzen. Alternativ dazu öffnet die eigenständige Anerkennung als Bil­dungs­träger neue Geschäfts­felder.
  • Externe Zertifizierung von Qualifizierungs­er­fol­gen: Im Zuge der Allokation knapper werdender Res­sour­­cen werden seitens der Leistungsträger zu­neh­mend wirkungsorientierte Steuerungs­me­chanismen implementiert. Zudem wird die klas­sische Zuordnung nach Leistungstypen und Hil­febedarfsgruppen zu Gunsten personen­zen­t­rier­ter Leistungssysteme aufgebrochen. Die Zer­ti­fi­zie­rung einer Teilqualifizierung in einem an­er­kann­ten Ausbildungsberuf durch einen un­ab­hängigen Dritten (z. B. IHK) verschafft den Lei­stungs­trägern dabei zwei Vorteile: Einerseits wird ein Quali­täts­nachweis des Qualifizierungssystems erbracht, der gleichzeitig individuelle Ressourcen der Auszu­bil­den­den berücksichtigt und mit an­de­ren Anbietern vergleichbar ist. Andererseits ver­schafft er Men­schen mit Behinderung, die zu­künf­tig ihre Kun­den­rolle stärker als bisher ausüben werden, einen dezidierten Qualifizie­rungsnach­weis und damit einen Mehrwert im Vergleich zu den herkömm­lichen Teilnahmezertifikaten.

Neben systemischen Faktoren wie dem Qualifizierungsansatz, müssen regionale Unternehmer auf die Potenziale von Menschen mit Behinderung für die Betriebe aufmerksam gemacht werden. Über Kontakte aus dem Kunden- und Lieferantenkreis, Verbindungen zu Industrie- und Handelskammern sowie über Beziehungen mit strategischen Partnern kann ein Netzwerk initiiert werden, welches die systematische Vermittlung und Qualifizierung von Menschen mit Behinderung fokussiert. Bedingt durch wettbewerbsorientierte Steuerungsmodelle steigt das unternehmerische Risiko für Werkstattträger exorbitant. Der Aufbau neuer Produkt- und Dienstleistungsbereiche im Verbund mit regionalen Partnern gilt daher schon heute als Wesensmerkmal prospektiven Unternehmertums zur nachhaltigen Existenzsicherung im Bezug auf Wachstum und Rentabilität.

1 Perspektive 2025: Fach­kräfte für Deutschland. Bundesagentur für Arbeit 2011, www.arbeits­agen­tur.de/­zentraler-Con­tent/Veroef­fent­­lichun­gen/Sons­ti­ges/Pers­pek­tive-2025.pdf

 
Detlef Friedrich im BKK Gesundheitsreport 2014 über das Unternehmensnetzwerk "Gesund pflegen"

BKK_Gesundheitsreport_2014_coverEnde letzten Jahre erschien der BKK Gesundheitsreport 2014 mit dem Titel "Gesundheit in Regionen - Zahlen Daten Fakten" und mit Gastbeiträgen aus Wissenschaft, Poltik und Praxis. Friedrich geht auf den Doppelsinn von "Gesund pflegen" ein – ...

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Grit Braeseke in "Monitor Pflege" über Health Care Assistants

MonitorPflege_01-2015_BraesekeMonitor Pflege, frisch auf dem Zeitungsmarkt erschienene Fachzeitschrift für Versorgung, Management und Forschung in der Pflege, bringt in seiner Erstausgabe einen Beitrag von Dr. Grit Braeseke vom IEGUS Institut über Vorschläge zur Entwicklung eines Rahmenkonzeptes zur Ausbildung und Beschäftigung von Gesundheits- und PflegeassistenInnen (Healthcare Assistants). Lesen Sie hier den ganzen Artikel ( PDF, 6 Seiten), wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung der Redaktion "Monitor Pflege" (www.monitor-pflege.de).

Eine deutsche Kurzfassung des Projektberichtes finden Sie hier.

3. EVR-Forum „Geriatrische Versorgungsverbünde..."

Plenum im Großen SaalBereits zum dritten mal organisiert das contec Veranstaltungmanagement für den Evangelischen Verbund Ruhr (EVR) ein offenes Expertenforum. Das 3. EVR-Forum unter dem Motto "Geriatrische Versorgungsverbünde: Krankenhäuser im Spannungsfeld zwischen Konkurrenz und Kooperation" findet am Mittwoch, dem 18. März 2015  im Veranstaltungszentrum der Ruhr-Uni statt.

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Kathrin Keune in CAR€ Invest über Kreatives Management und die Kunst der Führung

CI_2414_BeitragKeune2Neben den klassischen Fortbildungen für Geschäftsführende wird ein Ansatz immer interessanter, der die – im wahrsten Sinne – Kunst der Unternehmensführung in den Mittelpunkt stellt. Der Weg zum Erfolg kann dann lauten: Kreativität entfesseln – Unternehmen neu entwickeln –  Wirtschaftlichkeit verbessern. Ein besondere Qualifizierung greift das auf. CAR€ Invest sprach mit der Initiatorin.

Lesen Sie hier den ganzen Artikel (PDF, 2 Seiten). Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion CAR€ Invest: http://www.careinvest-online.net.

6. Studie zu Vergütung von Fach- und Führungskräften erschienen

Verguetung2014Die Arbeiten an der "contec Vergütungsstudie 2014 – Führungskräfte in der Sozialwirtschaft" sind abgeschlossen, die Studie gedruckt.

Aus dem Klappentext:
"Bei allen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt bleibt eine Frage konstant: welche Vergütung ist angemessenen? Um bei sinkenden Beschäftigtenzahlen die richtigen Mitarbeiter zu finden und langfristig zu binden, bedarf es einer hohen Arbeitgeberattraktivität. Ein Aspekt hierbei ist sicher die angemessene und dem Wettbewerb entsprechende Vergütung.
Die vorliegende Studie gibt einen Überblick über die aktuellen Gehälter und Entgeltstrukturen des Top-Managements in der Sozialwirtschaft und zeigt, anknüpfend an vier Vorgängerstudien, Längsschnitte der letzten Jahre auf..."

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