Startseite conZepte conZepte 03-2011 Demografische Entwicklung politisch und solidarisch gerecht gestalten
Demografische Entwicklung politisch und solidarisch gerecht gestalten

Kommentar von Kathrin Senger-Schäfer, Pflege- und medienpolitische Sprecherin der DIE LINKE. im Bundestag

Das Unvermögen der Regierung, ein Konzept für eine umfassende Pflegereform auf den Tisch zu legen, ist offensichtlich. Dennoch beharren CDU/CSU und FDP darauf: Die Alterung der Bevölkerung führe zu einem dramatischen Anstieg der Ausgaben. Die Finanzierung der Pflegeversicherung sei massiv bedroht. Ein näherer Blick offenbart, dass der demografische Wandel als Scheinargument für Leistungskürzungen, Privatisierung der sozialen Risiken und für einen Umstieg auf kapitalgedeckte Finanzierung herangezogen wird.


Grundsätzlich sind langfristige Vorausberechnungen der Bevölkerung bis zum Jahr 2050 Kaffeesatzleserei. Sie beruhen auf Modellannahmen wie Lebenserwartung, Geburtenraten und Wanderungsprozessen. Der demografische Wandel ist keine unabwendbare Katas­trophe: Die künftige Altersstruktur ist politisch durch eine andere Gesundheits-, Sozial-, Gleichstellungs- und Familienpolitik beeinflussbar.

Dass die Zahl der älteren Personen steigen wird, ist unbestritten. Doch das führt nicht unmittelbar zu dramatisch steigenden Gesundheits- und Pflegeausgaben. Unabhängig vom Lebensalter fällt der größte Anteil der Gesundheitsausgaben im letzten Lebensjahr an. Die Nähe zum Tod ist die maßgebliche Größe für die Ausgaben und nicht das Alter. Die Menschen werden zunehmend gesünder älter. Krankheiten und Pflegebedürftigkeit treten erst in einem höheren Lebensalter auf. Das gilt nicht für alle. Menschen mit geringerem sozialen Status sind früher von Krankheiten oder Pflegebedürftigkeit betroffen. Die Ausgabenentwicklung kann positiv beeinflusst werden, wenn die sozial bedingte Ungleichheit der Gesundheitschancen verringert wird. Das bedeutet vor allem: Gesunde Lebens-, Arbeits- und Wohnverhältnisse.

Gestaltungsspielräume eröffnen

Der Altenquotient, das Verhältnis der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zur Anzahl der Rentnerinnen und Rentner, ist keine aussagekräftige Größe, um künftige demografische Belastungen zu ermitteln. Daneben muss auch das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und allen nicht Erwerbstätigen ins Blickfeld gerückt werden. Arbeitslosigkeit und zunehmende prekäre Arbeitsverhältnisse führen zu rückläufigen Einnahmen der Sozialversicherungen. Der Abbau der Arbeitslosigkeit, die Steigerung der Frauenerwerbstätigkeit und der Ausbau sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung insgesamt stärken die Einnahmenseite der Sozialversicherungen und eröffnen Gestaltungsspielräume.
Auch die Entwicklung der Produktivität und der Einkommen ist entscheidend für die künftige Finanzierbarkeit der Pflege. Der Produktivitätssteigerung ist es zu verdanken, dass der demografische Wandel der letzten 100 Jahre gut bewältigt werden konnte. Künftig ist weiter mit Produktivitätsfortschritten zu rechnen. Die Einkommen und damit die Sozialversicherungsbeiträge sollten der Produktivität folgen. Entscheidend ist, wie die Einkommens- und Vermögenszuwächse in der Gesellschaft verteilt werden. Es gilt, Solidarität in der Gesellschaft herzustellen.

Der Einstieg in die Kapitaldeckung löst die Probleme nicht, sondern schafft nur neue. Mit der Kapitaldeckung würden die Sozialversicherungen unnötig den Risiken des Kapi­talmarktes ausgesetzt, denn kapitalgedeckte Systeme sind keineswegs demografiefest. Stattdessen zeigt die derzeitige Finanzkrise deren Anfälligkeit.


Fazit: Solidarität in der Gesellschaft stärken

DIE LINKE ist überzeugt, dass die Zukunft der Pflege nur solidarisch gestaltbar ist. Wie und durch wen wird die Pflegeversicherung finanziert? Gute Pflege kostet Geld. Eine solidarische und stabile Finanzierung der Pflegeversicherung ist der Schlüssel für eine gute Pflege. Als »Teilkaskoversicherung« konzipiert, führt die soziale Pflegeversicherung heute zu Ungerechtigkeiten in der Versorgung und Finanzierung sowie zu schlechten Arbeitsbedingungen für die Pflegekräfte.

DIE LINKE setzt sich für die Einführung einer solidarischen Bürgerinnen- und Bürgerversicherung ein, in die alle von allen Einkommen einzahlen. Eine aktuelle Studie1 beweist, dass trotz sofortiger Leistungsverbesserungen sogar ein erster Spielraum für eine umfassende Pflegereform entstünde.

1 Bartsch, Klaus: Eine Si­mula­tions­studie zu den kurz-, mittel- und langfristigen Entwicklungen der Beitragssätze zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung nach dem Konzept einer solida­ri­schen Bürgerinnen- und Bürger­ver­sicherung der Fraktion DIE LINKE im Bundestag. Gutachten im Auf­trag der Fraktion DIE LINKE im Bun­destag. Neuendorf, August 2011.

 
Studie zu Vergütung von Fach- und Führungskräften kurz vor Erscheinen

Verguetung2014Die Arbeiten an der "contec Vergütungsstudie 2014 – Führungskräfte in der Sozialwirtschaft" sind abgeschlossen, die Studie ist derzeit im Druck. Aus dem Klappentext:
"Bei allen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt bleibt eine Frage konstant: welche Vergütung ist angemessenen? Um bei sinkenden Beschäftigtenzahlen die richtigen Mitarbeiter zu finden und langfristig zu binden, bedarf es einer hohen Arbeitgeberattraktivität. Ein Aspekt hierbei ist sicher die angemessene und dem Wettbewerb entsprechende Vergütung.
Die vorliegende Studie gibt einen Überblick über die aktuellen Gehälter und Entgeltstrukturen des Top-Managements in der Sozialwirtschaft und zeigt, anknüpfend an vier Vorgängerstudien, Längsschnitte der letzten Jahre auf...

Zum Bestellschein.

Teilnehmerrekord beim 11. contec forum!

Podiumsdiskussion Unter dem Motto "Pflege stärken - Quartiere gestalten - Investitionen sichern" hatten die Teilnehmenden am ersten Forumstag, moderiert von Gisela Steinhauer, die Gelegenheit zum fachlichen Austausch mit Vertretern aus Politik und dem BMG sowie mit Experten aus den Bereichen Finanzierung und Personal...

Weiterlesen auf www.contecforum.de

Ausbildung von Gesundheits- und PflegeassistentInnen: Deutsche Fassung verfügbar

altNach erfolgreichem Abschluss des EU-Projektes zur Ausbildung von Healthcare Assistants, das die ie contec GmbH gemeinsam mit dem IEGUS Institut und dem Projektteam aus Deutschland, Finnland, Polen und dem Vereinigten Königreich bearbeitete, steht nun die deutsche Kurzfassung des Endberichtes zur Verfügung. Im Rahmen des von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Projektes entwickelte das Team zusammen mit Experten aus 15 europäischen Ländern Empfehlungen zur Entwicklung eines tragfähigen Ausbildungskonzeptes für Healthcare Assistants (HCA) innerhalb der Europäischen Union. Auf der Basis eines gemeinsamen, europaweit anerkannten Ausbildungskonzeptes soll so die Vergleichbarkeit der Ausbildung für Gesundheits- und Pflege-AssistentInnen erleichtert werden.

Download des Berichts (PDF, 35 Seiten)

contec auf dem 9. Kongress der Sozialwirtschaft, Magdeburg

Logo_9.KongressDerSozialwirtschaftMagdeburg, Sachsen-Anhalt, wird am 16. und 17. April kommenden Jahres Schauplatz des 9. Kongresses der Sozialwirtschaft sein. Motto: Tradition und Innovation - Strategien für die Zukunft der Sozialwirtschaft. Die contec - in Person von Geschäftsführer Müller und Fachberater Behindertenhilfe Ruthenkolk - wird mit einem eigenen Stand dort vertreten sein und Ihre Fragen beantworten.

Fachbuch "Personalgewinnung in der Pflege": care4future im Interview

Maja Roedenbeck Schäfer, Autorin und Recruiting-Expertin aus Berlin, veröffentlichte jüngst bei Elsevier ihr neues Buch alt"Personalgewinnung in der Pflege – Innovative Ideen einfach umgesetzt". Im Interview mit Marc Irmer von car4future stellt sie dieses Konzept ausführlich vor. Inhaltsverzeichnis und Leserstimmen dazu auch in ihrem Blog: http://majaroedenbeck.wordpress.com.
Lesen Sie hier das ganze Interview (PDF, 5 Seiten), wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung des Verlages. Das Buch finden Sie beim Buchhändler Ihres Vertrauens oder im Shop bei Elsevier.