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Editorial conZepte 1/2010: Jenseits bestehender Strukturen

cz04-2009_01Kann man in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft ein halbes Jahr nach der Wahl ein Editorial schreiben, ohne auf die politische Situation einzugehen? Wünschen würde man es sich angesichts mancher Diskussionen schon. Gerade in der Beratung muss die politische Weichenstellung immer mitgedacht werden. Doch wo konkretisieren sich diese Weichenstellungen so, dass man eine Vorstellung erhält, die handlungsleitend für die weitere Umgestaltung der Versorgungsstrukturen werden könnte? Der Koalitionsvertrag mag Hinweise geben, aber bis heute erfahren wir täglich von irritierenden Deutungen und widersprüchlichen Interpretationen. 


Zwei Herausforderungen treten für die kommenden Jahre deutlich hervor: Die zukünftige Finanzierung in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft auf der einen Seite und die zukünftigen Strukturen der Versorgung auf der anderen. Bei der Finanzierungsfrage werden die Auswirkungen des demografischen Wandels im Zentrum stehen. Der Fachkräftemangel ist in der Branche angekommen, die Begriffe »Ärztemangel« und »Pflegekräftemangel« werden uns in den nächsten Jahren begleiten. Wir werden unser Denken und Handeln ändern und das Thema endlich als gesamtgesellschaftliche Aufgabe angehen müssen. Der demografische Wandel wird auch bedeuten, mit dem gleichen Geld die Versorgung für mehr Menschen und den technologischen Fortschritt bereitzustellen. Das heißt konkret: Leistungskürzung oder Kostensenkung.
In Bezug auf den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff – in der Pflege und der Behindertenhilfe – aber auch auf die Finanzierung der Krankenkassenleistungen werden wir diese Diskussion um Leistungskürzung oder Kostensenkung erleben. Sie geht mit den Veränderungen in der Versorgungsstruktur einher. Die Umgestaltung der Psychiatrie bedeutet auch Veränderungen in der Behindertenhilfe. Die Vermeidung des Drehtüreffektes durch neue Versorgungsformen in der Psychiatrie ist schon lange geboten. Die eigentliche Herausforderung ist dagegen eine andere: Die Trennung von ambulant und stationär gehört eindeutig dem Gestern an und muss endlich überwunden werden. Doch das Regelwerk der Gesundheits- und Sozialwirtschaft ist starr und wird immer wieder massiv verteidigt. Morgen – und hier sind die eigentlichen Chancen verborgen – ist eine sektortranszendierende Gesundheitslogistik gefragt. Jenseits bestehender Strukturen der heutigen Sozialgesetzbücher und der Orte der Dienstleistungserbringung. Weniger ist mehr!
Dafür werden wir uns engagieren und sowohl mit unseren Kunden Lösungen für Morgen erarbeiten als auch die notwendigen politischen Diskussionen führen und fördern. Denn Innovationen müssen auch im Bereich der Leistungserbringung von innen kommen – wenn es wirklich eine Gesundheits- und Sozialwirtschaft sein soll.
Ihr


Detlef Friedrich

 

 
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