Startseite Interim-Management Interim- und Recovery-Management: Krisenbewältigung durch Führungsinput - von Matthias Konrad
Interim- und Recovery-Management: Krisenbewältigung durch Führungsinput - von Matthias Konrad

Dem stetigen Wandel in der Sozial- und Gesundheitswirtschaft immer wieder gerecht zu wer-den, stellt alle Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Damit auf die Veränderungen richtig reagiert oder, besser noch, vorausschauend agiert werden kann, muss ein Unternehmen in seiner Managementstruktur und -kultur gut aufgestellt sein. Ist dies nicht der Fall, kann eine externe Beratung in vielen Fällen die notwendigen Veränderungen unterstützen.

 

Veränderungsprozesse bedingen neben der bera­tenden gelegentlich auch die direkte Einbindung der externen Unterstützung in die Führungsstruk­tur einer Einrichtung.

Hier kann das Interim-Management eine effekti­ve Hilfestellung sein. Ein solches Vorgehen ist dann erforderlich, wenn beispielsweise:

  • zusätzlich zum Veränderungsprozess eine personelle Vakanz überbrückt werden muss
  • die vorhandenen Führungskräfte im Rahmen des Veränderungsprozesses zeitweise für Sonderprojekte benötigt werden
  • die umzusetzenden Veränderungen das soziale System des Unternehmens so stark belasten könnten, dass über ein Interim-Management die Gefahr des „Verbrennens“ der Führungskraft aufgefangen werden soll.

Ein Beispiel aus der Rehabilitation

Anhand einer Reorganisation im Rechnungswesen eines großen Trägers mehrerer Rehabilitationskli­niken soll erläutert werden, welchen Anforde­rungen das Interim-Management gegenübertritt und wie sich der Nutzen für den Reha-Anbieter dargestellt hat.

Bei einem ersten Gespräch mit der Geschäfts­füh­rung des Trägers zeigte sich ein Bild von der wirt­schaftlichen Führung des Unternehmens, in dem aus einem Mangel an Verantwortungsstruk­turen bei den Leitungskräften der verschiedenen Kliniken in Verbindung mit einer Überforderung der Füh­rungskräfte bei der kaufmännischen Steu­erung eine zunehmend schwierige wirtschaftliche Situation des Gesamtunternehmens entstanden war.

In diesem Spannungsfeld zwischen den Leitungs­kräften und der Geschäftsleitung kam mit der Einführung einer neuen EDV für das zentrale Rechnungswesen und der Neustrukturierung des zentralen Controllings eine erhebliche Zu­satzbelastung auf die Leiterin des Rech­nungswesens zu, der sie zunehmend nicht mehr gewachsen war.

War die contec GmbH zunächst für einen Be­ra­tungseinsatz zur inhaltlichen und kapazitätsun­terstützenden Ergänzung der Leiterin Rechnungs­wesen angefragt, ließ sich sehr bald erkennen, dass die zeitweise Übernahme der Abteilungs­leitung im Rahmen eines Interim-Managements deutliche Vorteile für das Unternehmen haben würde. Dies zeigte sich in drei Ebenen:

 

1. Beschleunigung von Veränderungen

Bei der Erarbeitung und Umsetzung der not­wen­digen Wirtschaftlichkeitspotenziale bedurfte es ebenso Änderungen in den Kliniken wie auch bei der Überarbeitung des Controllings, die durch das zentrale Rechnungswesen und Controlling als Stabstelle für die wirtschaftliche Steuerung ange­stoßen werden sollten.

Die fehlenden Führungsstrukturen hatten bereits dazu geführt, dass die begonnenen Verände­rung­en nicht durch die Leitungskräfte oder die Ge­schäftsführung initiiert wurden, sondern durch die Hierarchie übergreifende Kommunikation von Wir­kungszusammenhängen und Plausibilitäten durch Rechnungswesen und Controlling. Die Folge war, dass die Leiterin des Rechnungs­we­sens als auslö­sender und bestimmender Faktor der vielen un­liebsamen Veränderungen identifi­ziert wurde. Als fest angestellte Mitarbeiterin konnte sie diese Rolle nur im Rahmen der Ein­bin­dung in die im Unternehmen bestehenden sozia­len Bezüge er­folgreich wahrnehmen.

Um jedoch Veränderungen über diesen Weg um­zusetzen, ohne diese Bezüge dabei für die Zukunft zu zerstören, war ein vorsichtiges und damit zeitaufwändiges Vorgehen erforderlich. Diese Zeit konnte sich der Träger in der aktuellen Situation hingegen nicht mehr nehmen.

Dem gegenüber besteht für einen Interim-Manager keine Notwendigkeit zur vollständigen Integration in die sozialen Bezüge, da seine Mit­arbeit nicht auf Dauer angelegt ist. Die Ein­bin­dung einer externen Unterstützung für die Um­setzung von Veränderungsprozessen konnte da­mit zu einer erheblichen Beschleunigung führen.

 

2. Neutrale Zielfokussierung

Die Leiterin des zentralen Rechnungswesens stand in einem erheblichen Spannungsfeld zwischen den Führungsebenen und hatte die Aufgabe, in Konflik­ten zu vermitteln. Dabei hatte sie auch das durch­aus berechtigte persönliche Interesse, in diesem Spannungsfeld nicht zerrieben zu werden.

Im Rahmen des Interim-Managements konnten sich die Mitarbeiter der contec GmbH demgegen­über auf die beauftragte Zielerreichung konzen­trieren. Interessenkonflikte ließen sich so unge­achtet der Position und eigener Abhängigkeiten im Unternehmen konkret ansprechen. Dies war insbesondere deshalb notwendig, da im Laufe der Zusammenarbeit erkannt wurde, dass ein we­sentlicher Teil der notwendigen Veränderungen im Führungsverhalten der Geschäftsführung be­gründet sein musste.

Durch die Einbindung eines Interim-Managers konnte eine Fokussierung im Veränderungs­pro­zess entstehen, die sowohl die Zielführung (Effektivität) als auch den Mitteleinsatz (Effizienz) optimierte.

 

3. Sicherheit in der Personalausstattung

Die Entwicklung und Umsetzung von Veränderungs­­prozessen erfordert oftmals andere Personal­re­ssourcen als die spätere Erhaltung der Systeme im Unternehmensalltag. Dies zeigte sich auch in dieser Situation. Einerseits war die Leiterin des zentralen Rechnungswesens eine ausgewiesene Expertin für die Einführung der neuen EDV. Die vielfältigen Anforderungen hatten allerdings dazu geführt, dass sie dieser Aufgabe nicht im not­wendigen Umfang nachkommen konnte. Anderer­seits erforderte die kritische Lage im Unter­nehmen ein hohes Maß an Diplomatie und führungspolitischer Überzeugungskraft, die sie nicht in den Prozess einbringen konnte.

Die Einbindung des Interim-Managements führte deshalb zu einer zeitweisen Entlastung der bisherigen Abteilungsleiterin, die sich nun ganz auf die EDV-Einführung konzentrieren konnte. Nach der erfolgreichen Reorganisation der Führungs­strukturen konnte die zeitweise zusätzlich erfor­derliche Kompetenz des Interim-Managers wieder aus dem Unternehmen abgezogen werden. Die ursprüngliche Leiterin des Rechnungswesens konnte ihre Aufgabe erneut übernehmen.

Im Ergebnis konnte der Träger der Reha-Kliniken durch das Interim-Management erreichen, dass die dringend erforderlichen Veränderungen deut­lich schneller umgesetzt werden konnten, als dies mit den bisher intern zur Verfügung stehenden Ressourcen erreichbar gewesen wäre. Die Mög­lichkeit des Interim-Managers, Veränderungsnot­wendigkeiten auf Geschäftsführungsebene ange­messen, aber auch sehr deutlich ansprechen zu können, ohne dabei zu Lasten des Zieles auf seine dauerhafte Position achten zu müssen, war einer der Gründe für die erfolgreiche Restrukturierung des Unternehmens.

 

auch als PDF, 2 Seiten

 

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Matthias Konrad

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