| Interim- und Recovery-Management: Anforderungen an ein erfolgreiches Interim-Management - Interview mit Stefan Rösch |
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Insbesondere in Zeiten zunehmenden Führungskräftemangels wird es immer schwieriger, unerwartete Vakanzen in Leitungspositionen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft schnell und professionell zu besetzen – die Zeit bis zur Neubesetzung muss mit einem Interim-Management (IM) überbrückt werden. Eine Aufgabe, die stets eines hoch qualifizierten Interim-Managers bedarf. Eine Voraussetzung, die um so mehr erfüllt sein muss, wenn nicht nur der Übergang gemanagt werden soll, sondern auch strategische Entscheidungen zur Überwindung akuter unternehmerischer Belastungssituationen oder gar einer existenziellen Krise zu fällen sind.
conZepte: Wie sollte man sich den Alltag eines Interim-Managers vorstellen? SR: Häufig gibt es so etwas gar nicht. Jeder Tag sieht anders aus.
cZ: Wieso ist das so? SR: Oftmals werden wir ja gerufen, wenn sich die Problemlage eines Krankenhauses derart zugespitzt hat, dass „Not am Mann“ ist. Dies können wirtschaftliche, personelle, strukturelle oder andere Probleme sein. Dann sind jeden Tag aufs neue schnelle und kompetente Lösungen gefragt.
cZ: Welche Anforderungen sind für den Interim-Manager wichtig? SR: Es gibt eine Reihe standardisierter Managementtools, die ein Interim-Manager sicherlich beherrschen muss - aber im Zentrum steht immer die fachliche und kommunikative Kompetenz und natürlich auch die fundierte und langjährige Erfahrung im Feld des Managements selber. Dies kann auch gar nicht anders funktionieren?
cZ: Wieso? SR: Als Interim-Manager kann man mit einer sehr weiten Palette von Herausforderungen konfrontiert werden. Hierauf muss kompetent und zeitnah geantwortet werden. Lange Recherchen schließen sich damit aus, der schnelle Blick für das Wesentliche und Richtige muss beherrscht werden.
cZ: Das Schweizer Messer des Krankenhausmanagements also? SR: So in etwa.
cZ: Was gehört denn zum Charakteristikum des Interim-Managers? SR: Dazu muss ich etwas ausholen. Zunächst hat man als Interim-Manager immer den Vorteil eines neutralen Blickes auf das System. Er ist nicht Teil des Unternehmens und es gibt keine systemischen und persönlichen Verstrickungen. Aber um diesen Vorteil effizient nutzen zu können, muss man sehr schnell die herrschenden Strukturen, die strategisch bedeutsamen Menschen, die Unternehmenskultur und die aktuellen Probleme identifizieren. Dies ist häufig nicht identisch mit dem, was aus dem Unternehmen selbst heraus wahrgenommen und kommuniziert wird. Der Interim-Manager muss dann eine Priorisierung der anstehenden Probleme und Aufgaben vornehmen. Dies erfordert ein hohes Maß an Erfahrung und Fingerspitzengefühl.
cZ: Was bedeutet dies für die Person des Interim-Managers? SR: In die meisten IM-Positionen muss jemand eingesetzt werden, der Situationen schnell erfasst, analysiert und bewerten kann. Im Interim-Management findet ja in der Regel keinerlei Einarbeitung oder ein umfangreiches Kennenlernen des Teams statt. Man wir ins kalte Wasser geworfen. Es erfordert somit eine sofortige Identifikation der wesentlichsten Fragestellungen und der wichtigsten Akteure. Letztere zu identifizieren ist nicht zuletzt auch von Bedeutung, um zu entscheiden, mit wem die anstehenden Aufgaben später umgesetzt werden können. cZ: Dies klingt auch stark nach Kommunikationsfähigkeiten. SR: Absolut. Und diese Kommunikation ist in alle Richtungen von großer Bedeutung. Dazu gehören die Mitarbeiter, die Mitarbeitervertretung, die Führungskräfte, die Aufsichtsräte, die politischen Spieler und die relevanten externen Partner. Es wird an dieser Stelle auch offensichtlich, dass die Kenntnis und bestenfalls das Verständnis der unterschiedlichen Kulturen in der Trägerlandschaft für einen Interim-Manager von Bedeutung ist.
cZ: Wie kann ein Mensch so viel Kompetenzen in sich vereinen? SR: Das Wichtigste sind aus meiner Sicht die fachlichen und kommunikativen Fähigkeiten des Interim-Managers. Hinzu kommen die eigenen beruflichen und persönlichen Erfahrungen. Man steigt sozusagen als erfahrener Generalist ein. Da aber auch ein noch so erfahrener Berater niemals alle anstehenden speziellen Fragestellungen beantworten kann, steht dann für mich immer noch in meinem Falle das Know–how der gesamten contec Berater im Hintergrund zur Verfügung. Dieses Netzwerk ist sehr beruhigend, schafft Sicherheit und garantiert den Erfolg.
cZ: Das klingt auch nach einer Belastungsprobe? SR: ...und verlangt nach Ausdauer und Konzentration. Kernaufgabe ist zumeist ja nicht nur den Übergang eines Unternehmens in ruhigere Fahrwasser zu gestalten. Oft wird eben auch deutlich, dass das Unternehmen gravierende Veränderungsschritte vor sich hat, die nicht selten in Sanierungsmaßnahmen münden. Es gilt dann, den Weg für die Veränderungsprozesse auf allen Ebenen vorzubereiten, damit die Nachfolger umgehend mit der Durchführung beginnen kann. Diese Erkenntnisse sind für alle Beteiligten immer eine Belastung, auch für den Interim-Manager. Belastend ist auch, dass es der Interim-Manager ist, der die schlechten Nachrichten transparent zu machen und Veränderung einzuleiten hat, aber an dem Erfolg in der Regel nicht mehr partizipieren kann.
cZ: Was ist im weiteren Verlauf des IM zu beachten? SR: Es ist überaus wichtig, dass die Erwartungen und die Ziele für die Zeit des Interim-Managements mit dem Auftraggeber genauestens definiert werden. Sollten sich die Aufgabenstellung aufgrund einer sich anders darstellenden Realität oder aktuellen Situation verändern, muss der Auftrag unbedingt neu geklärt und angepasst werden. Nichts ist für alle Beteiligten unbefriedigender, als unerreichte Ziele und unerfüllte Erwartungen. Das belastet ein Arbeitsverhältnis unter Umständen stark. Deshalb ist es absolut wichtig, dass es eine regelmäßige und enge Kommunikation und Reflektion zwischen Interim-Manager und dem Auftraggeber gibt. Das Verhältnis muss durch Vertrauen geprägt sein. Ein gut geklärter Auftrag bietet dem Auftraggeber auch immer die Grundlage zu einer klaren Erfolgsbilanzierung und auch zur Beendigung des Projektes.
cZ: Zum Schluss. Macht es auch Spaß? SR: Die Verantwortung und die gesellschaftliche Bedeutung machen aus jedem IM eine enorme Herausforderung – gleichzeitig kann es gerade aber auch deshalb sehr erfüllend sein. In jedem Interim-Management darf man wertvolle und einzigartige Erfahrungen sammeln und interessante Menschen kennen lernen. Nichts desto trotz: So spannend der einzelne Prozess auch jeweils sein mag; nach Beendigung eines Interim-Management-Projektes hat man sich seinen Urlaub verdient.
Ihr Ansprechpartner zu diesem Thema: Detlef Friedrich Geschäftsführer der contec GmbHBioMedizinZentrum Ruhr Universitätsstraße 136 44799 Bochum fon: +49 (0) 234 45273-0 fax: +49 (0) 234 45273-99 Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. |









