Qualitätsprüfungen nach Corona-Pause: Worauf Sie nun achten sollten

Qualtätsprüfung corona
Montag, 31 Mai 2021 14:18

MDK und PKV prüfen wieder: Viele Pflegeeinrichtungen bereiten sich nach Corona-bedingter Pause auf anstehende Qualitätsprüfungen nach dem neuen Prüfverfahren vor. Susanne Rösler, contec-Expertin für die stationäre Pflege, gibt auf Basis ihrer Praxiserfahrung eine erste Einschätzung, auf welche Punkte die Verantwortlichen in stationären Einrichtungen jetzt besonders achten sollten.

Das reformbedingte Aussetzen der Qualitätsprüfungen in Pflegeeinrichtungen musste seit April 2020 pandemiebedingt verlängert werden. Doch seit März 2021 starten die Prüfungen nun wieder bundesweit. Der GKV-Spitzenverband hat, auf Grundlage des EpiLage-Fortgeltungsgesetzes, Näheres zur Durchführbarkeit der Prüfungen angesichts der aktuellen Infektionslage festgehalten (nach § 114 Abs. 2a SGB XI, s. dazu: Regelungen zur Durchführbarkeit). Laut Gesetz muss vom 1. Oktober 2020 bis 31. Dezember 2021 jede zugelassene Pflegeeinrichtung einmal geprüft werden.

Frau Rösler, wie schätzen Sie die aktuelle Situation mit Blick auf die Qualitätsprüfungen ein?

Susanne Rösler: Zunächst einmal müssen die Einsätze der Prüfdienste der Gesetzlichen und Privaten Krankenversicherung natürlich unter strengen Hygieneregeln vollzogen werden, sodass die Sicherheit der Pflegeeinrichtungen gewährleistet ist. Das ist die grundlegende Voraussetzung. Dazu haben MDS und MDK ein entsprechendes Hygienekonzept erarbeitet, das regelmäßig angepasst wird.

In der Pandemie-Zeit standen und stehen die Akteur*innen der Pflegeeinrichtungen vor besonderen Herausforderungen. Nahezu wöchentlich fielen Anpassungen von Hygienekonzepten aufgrund von gesetzlichen Änderungen an. Welchen Einsatz das von allen Beteiligten erfordert, konnte ich auch in meinen Projekten miterleben. In Einrichtungen, die ein Ausbruchsgeschehen zu meistern hatten, waren die Mitarbeitenden in Bezug auf ihre Ressourcen natürlich noch einmal ganz besonders gefordert.

Das sonst übliche Tagesgeschäft, insbesondere entscheidende Aspekte der Vorbereitungen für die Qualitätsprüfungen, aber auch konzeptionelle Arbeiten, mussten die Mitarbeitenden oftmals hintenanstellen. Daher stehen Pflegeeinrichtungen nun unter dem zeitlichen Druck, noch rechtzeitig die für sie notwendigen Themen aufzuarbeiten.

Auf welche Themen sollten die Qualitätsverantwortlichen aus Ihrer Sicht aktuell ein besonderes Augenmerk richten?

Die Datenpflege gemäß der neuen Qualitätsindikatoren innerhalb der Pflegedokumentation kann in den letzten Monaten zu kurz gekommen sein. Diese sollten die Verantwortlichen in der Vorbereitung auf die Prüfungen genau unter die Lupe nehmen. Auch wenn davon auszugehen ist, dass innerhalb der Prüfung Plausibilitäten bis zu einem Jahr rückwirkend geprüft werden, sollten die Daten zur Prüfung auch entsprechend der aktuellen Gegebenheiten der Heimbewohner*innen stimmig sein. Die Verantwortlichen sollten die entsprechenden Daten am besten einmal systematisch auf den aktuellen Stand bringen.

Ich gehe davon aus, dass der MDK neben allen anderen Konzeptionen ein besonderes Augenmerk auf die Einhaltung der Hygiene gemäß den geltenden Richtlinien des RKI (Hygienekonzept) legt.

Außerdem werden die Prüfer*innen voraussichtlich genauer auf die Durchführung der sozialen Betreuung (Betreuungskonzept) schauen. Durch die flächendeckenden Impfungen in den Pflegeheimen darf nun zwar zum Teil das gesellschaftliche Leben wieder mit Gruppenaktivitäten ausgefüllt sein. Doch sind ja, wie bekannt, vereinzelte Infektionen nicht ausgeschlossen. Die Vereinsamung bzw. soziale Abschottung kann daher für Pflegebedürftige weiterhin ein schädigender Aspekt sein. Maßnahmen zur Abwendung einer solchen Schädigung sollten im Vorfeld in der Konzeption verankert sein.

Wie können sich die Einrichtungen ansonsten bestmöglich vorbereiten?

Zu Prüfungsbeginn oder im Verlauf benötigte Dokumente und Themen können im Internet eingesehen werden. Qualitätsmanagementbeauftragte und/oder Pflegedienstleitungen sollten diese in jedem Fall vorbereitend organisieren. Die QPR, die Richtlinien für die Qualitätsprüfung in Pflegeeinrichtungen, sind hier natürlich die erste Anlaufstelle. Eine übersichtliche Hilfestellung bietet z. B. auch der MDK Sachsen.  → Zur Übersicht

Dabei müssen die Qualitätsverantwortlichen die Vorbereitungen auch immer individuell auf den Stand ihrer Einrichtung ausrichten. So waren die Einrichtungen vor Eintreten der Pandemie bei der Implementierung des indikatorengestützten Qualitätsprüfungssystems unterschiedlich weit vorangeschritten. Dies wirkt sich auf den Vorbereitungsaufwand der aktuellen Prüfungen aus. In der Vorbereitung kann es für Pflegeeinrichtungen auch hilfreich sein, sich Unterstützung zu suchen – z. B. für eine vorbereitende Analyse der individuell zu bearbeitenden Themen.

Vielen Dank für die Einschätzung, Frau Rösler!

 

Vorbereitung für die Stationäre Regelprüfung

Quelle: MDK Sachsen, Auszug/ergänzt

1. Zu Beginn der stationären Regelprüfung vorzuhalten:

  • QPR-Erhebungsreport
  • Übersicht der versorgten Personen/Bewohnerliste mit Informationen über kognitive Fähigkeiten und Mobilität (Merkmalskombination) – zur Bildung der Subgruppenlisten
  • Pseudonymisierungsliste

2. Zu Beginn der Regelprüfung in der Kurzzeitpflege vorzuhalten:

  • Übersicht der versorgten Personen/Bewohnerliste mit Informationen über kognitive Fähigkeiten und Mobilität (Merkmalskombination – siehe QPR Ziffer 10)

3. Im Verlauf der Qualitätsprüfung wird benötigt:

  • Versorgungsvertrag der Pflegeeinrichtung
  • Dienstpläne (Pflege, Betreuung, Hauswirtschaft)
  • Qualifikationsnachweise der Mitarbeitenden der Pflegeeinrichtung
  • Aktuelle Handzeichenliste der an der Versorgung beteiligten Mitarbeitenden
  • Ausgefüllte Übersicht „Angaben zur Einrichtung“
  • Ausgefüllte Übersicht „Zusammensetzung Personal“
  • Zugriff auf die letzte Erfassung der Versorgungsergebnisse gemäß „Maßstäbe und Grundsätze“
  • Konzept zur Sterbebegleitung inkl. Regelungen zur Zusammenarbeit mit externen Einrichtungen (z. B. Palliativdienste)
  • Prüfergebnisse vorangegangener externer Prüfungen
  • Nachweise/Unterlagen des internen Qualitätsmanagements
  • Nachweis Aufgabenwahrnehmung der verantwortlichen Pflegefachkraft (z. B. Stellenbeschreibung)
  • Nachweise zur Eingewöhnung der versorgten Personen (z. B. Integrationsgespräch)
  • Umfassende Informationen zur Versorgungssituation der einbezogenen Personen inklusive der Pflegedokumentation
  • Je nach Situation benötigt das Prüfteam weitere Informationen und fragt diese in der Prüfung an.
Bild: Ono Kosuki
Interview: Linda Englisch

Susanne Rösler

Porträt Susanne Rösler

Sie suchen Unterstützung im Qualitätsmanagement? Ob bei der Vorbereitung Ihrer Qualitätsprüfung oder aus anderen Anlässen, wir unterstützen Sie gerne. Sprechen Sie uns einfach an!

Unsere Leistungen
in diesem Bereich

Qualitätsmanagement Pflegefachliche Beratung