Top-News aus der Sozialwirtschaft

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  • Freitag, 28 Dezember 2018 10:38
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Ungleichheit der Löhne in der Pflege, Reaktionen auf die Forderung nach einem allgemeinverbindlichen Tarifvertrag, Entlastung von Pflegekräften durch Digitalisierung, die Einführung der neuen Qualitätsindikatoren – die aktuellen Branchen-News spiegeln die Aktualität des Jubiläumsprogramms des 15. contec forums gut wider!

Mehrheit stimmt für Pflegekammer in NRW

79 Prozent der Pflegekräfte in NRW sprechen sich für eine Pflegekammer aus. Dies ergab die im Herbst 2018 druchgeführte repräsentative Erhebung im Auftrag des NRW-Gesundheitsministeriums. Das Votum soll laut Minister Laumann schnell umgesetzt werden und mit rund fünf Millionen Euro durch das Land gefördert werden.

Löhne in der Pflege unterscheiden sich erheblich

Aus einer aktuellen Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht hervor, dass große Unterschiede der Entlohnung in der Pflege immer noch vorherrschend sind. Es wird stark zwischen den Pflegeberufen, den Bundesländern und den verschiedenen Pflegeeinrichtungen unterschieden. Die Entgelte in der Altenpflege sind zwar gegenüber 2012 um 15 Prozent gestiegen, doch verdienen Fachkräfte in der Altenpflege mit einem mittleren Lohn von 2.744 Euro 14,5 Prozent weniger als die Beschäftigten insgesamt. In der Krankenpflege verdienen die Beschäftigten deutlich mehr als in der Altenpflege, durchschnittlich 3.337 Euro, die Beschäftigten insgesamt liegen bei 3.209 Euro im Durchschnitt. Ein starker Unterschied besteht auch zwischen Ost- und Westdeutschland: Die Fachkräfte der Altenpflege verdienen in Ostdeutschland 17,5 Prozent (2.356 Euro brutto) weniger als in Westdeutschland (2.855 Euro brutto). Eine nicht minder wichtige Rolle spielt, ob die Pflegekräfte in Krankenhäusern oder in der stationären bzw. ambulanten Pflege beschäftigt sind. Für alle vier betrachteten Pflegeberufe (Fach- und Helferberufe) gilt, dass sie in Krankenhäusern die höchsten Entgelte erzielen, in der ambulanten Pflege die niedrigsten.

Pflegeroboter als Modellprojekt in Bayern

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) treibt den Einsatz moderner Technik zur Entlastung von Pflegekräften weiter voran. Hierfür wird das Ministerium in einem Modellprojekt den Einsatz des Pflegeroboters „Pepper“ in der Einrichtung St. Johannes in Erlenbach mit 36.000 Euro fördern. Die Ministerin legte gleichzeitig dar, dass der Mensch stets im Mittelpunkt bleiben muss. Technische und digitale Unterstützungsangebote seien zum Wohle der Pflegebedürftigen wichtig, dürfen jedoch die Menschlichkeit nicht verdrängen und seien kein Ersatz für Pflegekräfte. Der Roboter übernimmt Routineaufgaben und soll das Personal dadurch von immer wiederkehrenden Abläufen entlasten. Damit bleibt mehr Zeit für die individuelle Betreuung und Pflege der pflegebedürftigen Menschen. Wichtig sei zudem, so Huml, bestehende Vorbehalte gegenüber der modernen Technik abzubauen.

Neues Prüfsystem für Pflegeeinrichtungen

Im Herbst 2019 sollen die Pflegeeinrichtungen damit beginnen, die Qualitätsindikatoren im Rahmen der neuen Pflegequalitätsprüfungen zu erheben. Diese Indikatoren wurden von zwei wissenschaftlichen Instituten entwickelt und sollen eine Vergleichbarkeit der Ergebnisqualität unter den Pflegeeinrichtungen herstellen. Zweimal im Jahr werden dann zehn Indikatoren – sogenannte Versorgungsergebnisse – aus den Bereichen Erhalt und Förderung von Selbständigkeit, Schutz vor gesundheitlichen Schädigungen und Belastungen und Unterstützung bei spezifischen Bedarfslagen erhoben. Hinzu kommen auch noch externe Qualitätsprüfungen durch den Medizinischen Dienst. Einen Tag vor der Prüfung sollen diese angekündigt werden und bei Einrichtungen, die eine gute Ergebnisqualität nachweisen können, nur alle zwei Jahre stattfinden. Um den erheblichen Aufwand, der auf die Einrichtungen zukommen wird, besser zu meistern, ist frühzeitige Information sinnvoll. Wer jedoch im Qualitätsmanagement schon gut aufgestellt ist, für den wird die Umstellung leichter, zudem werden Einrichtungen im Qualitätsmanagement von den Erhebungen profitieren.

51 % der Pflegenden befürworten Akademisierung

Die vom Medienhaus „Vincentz Network“ und der Fachzeitschrift  “Altenpflege” durchgeführte Online Umfrage „Altenpflege im Fokus 2018“ ergab, dass 51 % der Pflegefachkräfte eine Stärkung der Akademisierung der Pflege für richtig hält. Die 720 Befragten erhielten zwischen dem 10. September 2018 und dem 1. Oktober 2018 einen Online-Fragebogen, den sie anonym ausfüllten. Der Anteil der Pflegefachkräfte, die eine solche Entwicklung befürworten, liegt mit 53 Prozent ein wenig höher als unter Pflegedienstleitungen (49 Prozent) oder Qualitätsmanagern (46 Prozent).

Verband legt einheitliche Richtlinien für Gehälter fest

Die Landesgruppen Saarland und Bremen des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) wollen Arbeitsvertragsrichtlinien und eine verbindliche Entgelttabelle einführen. Die Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR) des bpa Saarland wollen sich an den Entgelthöhen führender Tarifverträge im Land orientieren, möchten jedoch auch Spielräume zur Gestaltung individueller Vergütungen lassen. Auch die Bremer bpa-Landesgruppe hat sich für einheitliche AVR und eine Entgelttabelle entschieden. Die Gehälter der neuen AVR sollen dann auf dem gleichen Niveau liegen, wie der Tarifvertrag der Wohlfahrtsverbände in Bremen, so Landesvorsitzender Sven Beyer. Wie im Saarland soll es den Mitgliedsunternehmen freistehen, über die Mindesttarife der Entgelttabelle hinaus zu bezahlen.