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    Interim-Management: Welche Lösung passt zu welcher Herausforderung?

    Interim-Management: Welche Lösung passt zu welcher Herausforderung?
    Interim-Management: Welche Lösung passt zu welcher Herausforderung?
    10:07

    Interim-Management kommt in sehr unterschiedlichen Situationen zum Einsatz: wenn eine Führungsposition kurzfristig vakant ist, eine Organisation zusätzliche Kapazitäten für eine Transformation benötigt oder unter hohem wirtschaftlichem Handlungsdruck eine Restrukturierung anstoßen muss. Was auf den ersten Blick jeweils nach einem temporären Managementbedarf aussieht, stellt in der Praxis sehr unterschiedliche Anforderungen an Interim-Manager*innen.

    Ob nun eine Vakanz überbrückt, ein neuer Geschäftsbereich aufgebaut oder eine Organisation in einer wirtschaftlich angespannten Situation stabilisiert werden soll: unterschiedliche Ausgangslagen gehen mit unterschiedlichen Aufgaben für das Interim-Management einher. Für Entscheider*innen stellt sich deshalb die Frage: Vor welcher Herausforderung steht unsere Organisation – und welche Form der Unterstützung benötigen wir, um sie zu bewältigen? Die Forschung zum Interim-Management bietet dafür interessante Anhaltspunkte. Übersetzt in die Praxis entsteht daraus ein Orientierungsrahmen, mit dem Auftraggeber*innen ihren Bedarf präziser bestimmen können.

    Interim-Management beginnt mit der richtigen Fragestellung

    Wer über Interim-Management nachdenkt, sucht häufig zunächst nach einer geeigneten Person. Doch bevor es um das konkrete Profil geht, lohnt sich ein genauer Blick auf den Auftrag.

    • Was soll sich durch das Mandat verändern?
    • Muss die Organisation vor allem ihre Handlungsfähigkeit sichern, oder fehlt spezifische Expertise?
    • Steht eine Transformation an, für deren Umsetzung intern Kapazitäten fehlen?
    • Oder geht es darum, neue Strukturen aufzubauen und anschließend zu überführen?

    Die unterschiedlichen Ausgangslagen verändern die Anforderungen an ein Interim-Mandat. Sie verlangen je unterschiedliche Kompetenzen, Entscheidungsbefugnisse, Laufzeiten und Formen der Zusammenarbeit. Eine allgemein akzeptierte Typologie wäre somit zu Beginn eines Interim-Managements hilfreich, um die Auftragsklärung und Erwartungshaltungen optimal auszurichten. Eine Auswertung internationaler wissenschaftlicher und praxisbezogener Quellen zeigt allerdings: Eine universelle Matrix für sämtliche Varianten des Interim-Managements gibt es bislang nicht.

    Die Literatur zum Interim-Management verwendet verschiedene Kriterien, um Mandate zu unterscheiden. Manche Ansätze orientieren sich am Anlass des Einsatzes, andere an der Rolle des/der Interim-Manager*in, an der Unternehmenssituation oder am Verlauf eines Mandats. Hinzu kommen Modelle, die ausschließlich für Interim-CEOs oder für Krisen- und Turnaroundkonstellationen entwickelt wurden.

    Häufig findet sich in Forschung und Praxis jedoch eine Dreiteilung in Gap Management, Change und Transition Management sowie Crisis Management und Turnaround.

    Gap Management: Handlungsfähigkeit und Kontinuität sichern

    Fällt eine Führungskraft kurzfristig aus oder entsteht zwischen zwei dauerhaften Besetzungen eine zeitliche Lücke, müssen zentrale Entscheidungen trotzdem getroffen werden. Mitarbeitende benötigen Orientierung, operative Abläufe müssen funktionieren und wichtige Stakeholder*innen brauchen verlässliche Ansprechpartner*innen. Interim-Management übernimmt in dieser Situation nicht lediglich eine Position „auf Zeit“. Die Aufgabe besteht darin, Führungs- und Handlungsfähigkeit zu sichern, bis eine tragfähige dauerhafte Lösung steht.

    In der Gesundheits- und Sozialwirtschaft kommt dabei der Kontinuität eine besondere Bedeutung zu, da sich Führungsvakanzen häufig unmittelbar auf Teams, gewachsene Strukturen und sensible Leistungs- und Versorgungsprozesse auswirken. Es gilt, das Vertrauen von Mitarbeitenden sowie Klient*innen bzw. Patient*innen zu erhalten. Interim-Management muss Stabilität schaffen, ohne notwendige Veränderungen aufzuschieben.

    Change und Transition Management: Strukturen und Prozesse neu ausrichten

    Viele Organisationen wissen sehr genau, wohin sie sich entwickeln möchten. Schwieriger wird häufig die Umsetzung im laufenden Betrieb. Denn Transformation benötigt nicht nur ein Zielbild, sondern auch Managementkapazität, klare Verantwortlichkeiten und konsequente Umsetzung.

    Ein Interim-Mandat kann genau an dieser Stelle ansetzen. Interim-Manager*innen übernehmen Verantwortung für definierte Veränderungsaufgaben, koordinieren Beteiligte, etablieren Strukturen und sorgen dafür, dass aus strategischen Entscheidungen konkrete Veränderungen im Unternehmen entstehen. Interim-Manager*innen können zudem zeitlich begrenzt spezifisches Know-how einbringen – beispielsweise für die Neuausrichtung eines Leistungsbereichs, die Optimierung von Strukturen und Prozessen oder eine besondere Managementaufgabe.

    Crisis Management und Turnaround: Grundlegende Restrukturierung

    Steigender Kostendruck, veränderte Rahmenbedingungen oder eine angespannte wirtschaftliche Situation können dazu führen, dass Organisationen ihre Strukturen und Prozesse kurzfristig überprüfen müssen. Besonders anspruchsvoll wird dies, wenn gleichzeitig das operative Geschäft stabil weiterlaufen muss.

    Interim-Manager*innen können in solchen Situationen zusätzliche Führungskapazität und Erfahrung einbringen, Veränderungsbedarfe konkretisieren und vereinbarte Maßnahmen gemeinsam mit den Verantwortlichen in der Organisation umsetzen. Dabei kommt es gerade in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft auf ein differenziertes Verständnis an: Wirtschaftliche Stabilität, Qualität der Angebote und Leistungen, Interessen der Mitarbeitenden sowie der Versorgungs- beziehungsweise soziale Auftrag müssen gemeinsam betrachtet werden.

    Handlungsdruck und Veränderungstiefe als Orientierungsrahmen

    Die drei Kategorien bieten eine gute Orientierung, lassen sich in der Praxis jedoch nicht immer trennscharf voneinander abgrenzen. Für die Auftragsklärung lohnt es sich deshalb, zwei Fragen getrennt zu betrachten:

    • Wie hoch ist der aktuelle Handlungsdruck?
    • Wie tiefgreifend muss sich die Organisation verändern?

    Aus diesen beiden Dimensionen lässt sich ein Orientierungsrahmen ableiten:

    Interim-Management Orientierungsrahmen

    Der Orientierungsrahmen ist keine wissenschaftlich validierte Typologie. Vielmehr führt er verschiedene Erkenntnisse aus Forschung und Praxis zusammen. Sein Nutzen liegt vor allem in der Auftragsklärung: Je nach Organisationslage und Veränderungstiefe unterscheiden sich die Anforderungen an Kompetenzen, Entscheidungsbefugnisse und Rolle der Interim-Manager*innen.

    Der Mandatstyp allein entscheidet nicht über den Erfolg

    Die Anforderungen innerhalb eines Interim-Managements bleiben nicht zwangsläufig gleich. Das zeigt sich besonders deutlich bei Krisen- und Turnaround-Mandaten. Eine aktuelle Studie von Packheiser und Pröpper unterscheidet hier unterschiedliche Rollenprofile. In einer akuten Stabilisierungsphase kann vor allem operative Entscheidungs- und Umsetzungskraft gefragt sein. Im weiteren Verlauf können strategische Neuausrichtung, Moderation und der Aufbau eigener Problemlösungskompetenz innerhalb der Organisation an Bedeutung gewinnen. Auftraggeber*innen und Interim-Manager*innen sollten deshalb regelmäßig prüfen, ob Zielsetzung, Rolle und Entscheidungsbefugnisse noch zur aktuellen Situation passen.

    Interim-Management kann auf sehr unterschiedliche Herausforderungen antworten. Die Einteilung in verschiedene Mandatstypen hilft dabei, den eigenen Bedarf einzuordnen. Für den Erfolg ist jedoch eine andere Frage mindestens genauso wichtig: Wie ist das Mandat ausgestaltet?

    Deshalb ist es ratsam, bereits vor Beginn eines Mandats zentrale Fragen zu klären:

    • Welches konkrete Ergebnis soll das Mandat erreichen?
    • Welche Entscheidungen darf die Interim-Führungskraft selbst treffen?
    • Welche Ressourcen stehen für die Aufgabe zur Verfügung?
    • Welche internen und externen Stakeholder*innen müssen eingebunden werden?
    • An welchen Meilensteinen lässt sich der Fortschritt beurteilen?
    • Was soll nach Abschluss des Mandats dauerhaft in der Organisation verankert sein?

    Neben dem Anlass des Mandats spielt also auch seine Eingriffstiefe eine wichtige Rolle. Soll der*die Interim-Manager*in in erster Linie bestehende Abläufe und Strukturen sichern? Soll eine klar definierte Aufgabe mit eigenem Gestaltungsspielraum umgesetzt werden? Oder besteht der Auftrag darin, Strukturen, Verantwortlichkeiten oder die strategische Ausrichtung grundlegend zu verändern? Je tiefer ein Mandat in die Organisation eingreift, desto wichtiger werden weitreichende Entscheidungsbefugnisse, ein klar abgestimmtes Zielbild und die Zusammenarbeit mit den relevanten Führungskräften und Gremien.

    Interim-Management: Vom Personalbedarf zur Managementlösung

    Ob Vakanz, fehlende Expertise, Transformation, wirtschaftliche Neuausrichtung oder Aufbauphase: Hinter einem Interim-Mandat steht zunächst eine konkrete unternehmerische Herausforderung. Für Entscheider*innen lohnt es sich deshalb, auf die folgenden Fragen zu blicken:

    • Wo stehen wir?
    • Was muss sich verändern?
    • Welche Verantwortung muss dafür temporär übernommen werden?

    In jedem Fall ist Interim-Management mehr als die kurzfristige Besetzung einer vakanten Position. Richtig eingesetzt schafft es dort zusätzliche Management- und Umsetzungskapazität, wo eine Organisation sie für einen begrenzten Zeitraum benötigt – und verbindet kurzfristige Handlungsfähigkeit mit einer tragfähigen Perspektive für die Zeit danach.

    Text: Philipp Tessin, Leonie Hecken
    Bild: Shutterstock 

    Matthias Adler

    Matthias Adler ist Partner und Mitglied der contec-Geschäftsleitung und leitet den Bereich Gesundheitswirtschaft bei conPrimo. Er verfügt über langjährige Führungserfahrung, auch für Komplexträger in komplexen Konzernstrukturen. Seine Schwerpunkte sind u.a. Nachhaltigkeit, Governance, Compliance, IT, Digitalisierung, Krisen, Transformationen sowie Konzern-/Geschäftsbereichsstrategien.