Presseinformation: Inklusion und Innovation – wo steht die Sozialwirtschaft?

Freitag, 28 Oktober 2022 14:50

Beim 3. Zukunftsforum Soziale Arbeit der contec GmbH nahmen Entscheider*innen der Sozialbranche ihre Vorreiterrolle bezüglich der gesellschaftlichen Inklusion in den Blick. Zudem schauten sie auf die Notwendigkeit einer innovativen Organisationsentwicklung – auch neben der Bewältigung akuter Krisen.

Berlin, 28.10.2022. Am 19. und 20. Oktober diskutierten die 80 Teilnehmenden des 3. Zukunftsforums Soziale Arbeit im Steigenberger Hotel am Kanzleramt in Berlin gleich mehrere große Fragen, u. a.: Wie können die sozialen Teilbranchen trotz aller Verteilungskämpfe zusammenwachsen und mehr politisches Gewicht gewinnen? Wie kann die Branche die großen Krisen dieser Zeit meistern und trotzdem ihr Engagement als Gerechtigkeits- und Menschenrechtsprofession weiterentwickeln?

Krisenbewältigung vs. Weiterentwicklung

In ihrer Begrüßung appellierte Birgitta Neumann, Marktfeldleiterin Eingliederungs- und Kinder- und Jugendhilfe bei contec, an ihre Kolleg*innen aus dem Top-Management sozialer Organisationen: „Wir müssen uns als Branche anders aufstellen und über uns hinauswachsen! Es wird nicht ausreichen, mit mehr Geld so weiterzumachen wie bisher. Natürlich ist die Politik gefragt, Rahmenbedingungen zu verbessern, aber so, wie die Soziale Arbeit aktuell organisiert ist, sind viele Herausforderungen nicht lösbar.“ Deshalb bedarf es ungewöhnlicher, innovativer Methoden und Denkweisen.

Inklusion aus der Vogelperspektive

Die Vorträge des Zukunftsforums Soziale Arbeit standen unter dem Zeichen der inneren und äußeren Widerstände sozialer Inklusion und wie Organisationen diese überwinden können. In seinem Vortrag forderte Prof. em. Dr. Jürgen Link dazu auf, das eigene Verständnis von „Normalität“ zu reflektieren und zu schauen, wie dieses gesellschaftlich produziert wird. Auch Prof. em. Dr. Hildegard Mogge-Grotjahn blickte aus einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive auf das Thema Inklusion und zeigte, dass bereits ein fehlendes einheitliches Verständnis von Inklusion Schwierigkeiten bezüglich einer erfolgreichen Umsetzung birgt. Zu diesem einheitlichen Verständnis gehört eine gesellschaftliche Verhandlung und Verständigung über die zugrunde gelegten Werte. Soziale Arbeit sollte sich permanent an der Inklusion beteiligen – von der politischen bis hin zur individuellen Ebene der Fachkräfte.

Soziale Inklusion braucht Organisationsentwicklung

Prof. Dr. Michael Komorek setzte mit seinem Appell, für den Change-Prozess zur Inklusion an einem Strang zu ziehen, an der Fachkräfteebene an. Veränderungen müssen sich aus der Organisation heraus entwickeln und dafür brauche es eine offene Haltung der Mitarbeitenden. Die zweitägige Veranstaltung gab mehrere Impulse dafür, Inklusion und Organisationsentwicklung zusammenzubringen – z. B. Veränderungsimpulse zu setzen, Führungskulturen anzupassen, die Partizipation von Mitarbeitenden voranzutreiben und auf diverse Belegschaften zu setzen. Soziale Organisationen sollten in ihrer Vorreiterrolle ihre Kultur, ihr Selbstverständnis und Angebot entsprechend anpassen, um im Kern inklusiv werden zu können. Der Vortrag von Constanze Bashir aus dem Lufthansa Innovation Hub ermöglichte in diesem Jahr zudem einen Blick über den Tellerrand der Sozialwirtschaft hinaus. Einblicke in die Entwicklung einer erfolgreichen Innovationskultur als Reaktion auf den gesellschaftlichen Wandel gaben auch für die Soziale Arbeit interessante Impulse bezüglich einer erfolgreichen Organisationsentwicklung.

Gewinnbringender Austausch

Neben spannenden Vorträgen hatten die Teilnehmenden in verschiedenen Workshops die Möglichkeit zur praktischen Auseinandersetzung mit ausgewählten Themen. Gemeinsam konnten Impulse diskutiert und Lösungsansätze erarbeitet werden. Die Teilnehmenden tauschten sich u. a. zu Schutzkonzepten, Partizipation und der inklusiven Kinder- und Jugendhilfe aus. Aber auch die Gestaltung der Unternehmens- und Führungskultur sowie das Potenzial von Entgeltverhandlungen wurden thematisiert.

Die gemeinsame Stimme nutzen

„Als Betroffene der derzeitigen Krisen und wichtige Akteurin zur Abfederung der sozialen Folgen braucht die Sozialbranche eine laute Stimme. Wir müssen lernen, uns besser zu verbünden und Ressourcen zu nutzen“, so Birgitta Neumann. Ein einheitliches Berufsverständnis könnte dazu beitragen. Die Basis dafür bildet das Verständnis, das die Branche auch zukünftig weiter beschäftigen wird: die Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession. Nur mit einer Reflexion und Neuausrichtung auf Grundlage einer inklusiven Organisation kann die Soziale Arbeit den gesellschaftlichen Wandel zur Inklusion in einer wichtigen Vorreiterrolle mitgestalten.

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Leonie Hecken

Linda Englisch

Leonie Hecken steht Ihnen als Mitarbeiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gerne für Presseanfragen zur Verfügung.