Pflege-TÜV: Die neue Qualitätsprüfung im Praxis-Check

Qualitätsprüfung
Montag, 27 Januar 2020 12:29

Das neue indikatorengestützte Qualitätsprüfungsverfahren für die stationäre Altenpflege verspricht realistischere Bewertungen der Ergebnisqualität von Pflegemaßnahmen. Die Qualität wird von Pflegeheimen selbstständig erfasst. Sie müssen nun halbjährlich intern konkrete Qualitätsdaten bei ihren Bewohner*innen erheben. Der erste Durchlauf der Erhebungen muss bis zum 30. Juni 2020 erfolgen. Die Plausibilität der Daten wird durch ein Programm sowie durch eine externe Stichproben-Prüfung des MDK bzw. des PKV-Prüfdienstes gesichert. Wir beleuchten für Sie auf Basis unserer Erfahrungen Voraussetzungen sowie Herausforderungen und Chancen der neuen Qualitätsprüfung für die Einrichtungen.

Vorbereitung und Voraussetzungen für die Erhebung

Um die Erhebung der Qualitätsdaten korrekt durchführen zu können, sollten Einrichtungen ihre Mitarbeitenden – und zwar alle – in der indikatorengestützten Qualitätsprüfung schulen. Die Personen, die die Daten erheben, benötigen darüber hinaus fundierte Kenntnisse über die jeweiligen Pflegebedürftigen. Für Pflegefachkräfte ist die Erhebung aus diesem Grund einfacher als z. B. für die Pflegedienstleitung. Externe Personen sollten nicht mit der Erhebung betraut werden.

Die wichtigsten Schulungsinhalte lassen sich nach ersten Erfahrungen je nach Teilnehmerzahl in sechs bis acht Stunden vermitteln. Im Anschluss gilt es, die Kenntnisse zu verstetigen und anzuwenden. Je nachdem, wie gut eine Einrichtung in ihren strukturellen Prozessen aufgestellt ist, bedarf es neben den Schulungen einer Entwicklung der Prozesse ‚drumherum‘, die für die Implementierung des neuen Verfahrens benötigt werden.

Zwar zeigen die Einrichtungen überwiegend großes Interesse am neuen Verfahren. Als große Sorge von Leitungskräften wie Fachkräften kristallisiert sich jedoch die Frage nach dem Arbeitsaufwand heraus. Vor dem Hintergrund der Personalsituation in den Heimen ist es besonders schwierig, alle Mitarbeitenden einzubinden. Der Zeitaufwand muss entsprechend in der Dienstplanung berücksichtigt sein.

Den Zeitaufwand richtig planen

Zweimal im Jahr muss jede Einrichtung innerhalb von 14 Tagen alle Bewohner*innen erheben, unabhängig von der Bewohnerzahl. Der Stichtag für die Datenübermittlung an die Datenauswertungsstelle kann dabei auch auf einen Sonn- oder Feiertag fallen, sodass unter Umständen weniger Zeit bleibt. Vor der Übermittlung der erhobenen Daten müssen diese zuvor intern durch eine Person auf Plausibilität geprüft werden, die die Richtlinien kennt und in groben Zügen mit der Bewohnerschaft vertraut ist (in der Regel QM, PDL oder auch EL). Somit bleiben im Schnitt zehn bis elf Tage für die Erhebung und zwei bis drei für die Prüfung und Aufbereitung der Daten. In jeder Einrichtung gibt es eine für die finale Übermittlung verantwortliche Person.

Bei geübten Anwender*innen muss mit einem Zeitbedarf von fünf bis fünfzehn Minuten je Datenerhebung eines bzw. einer Bewohner*in geplant werden. Das bedeutet auch, dass für ungeübte Anwender*innen entsprechend längere Zeitressourcen nötig sind. In den Schulungen benötigen die Teilnehmenden für ihre erste Datenerhebung mitunter 60 Minuten. Bei der Datenerhebung gilt die Faustregel: Je anspruchsvoller die Pflegesituation desto länger dauert die Datenerhebung. Selbiges gilt bei starker Veränderung der Pflegesituation gegenüber der Vorerhebung (vor sechs Monaten).

Der Zeitbedarf kann exemplarisch wie folgt eingeschätzt werden:

  • Wohnbereich mit 20 Bewohner*innen à 1 Mitarbeiter*in, täglich 4 Bewohner*innen, 1–1,5 h/Tag = Gesamtdauer: 5 Tage

Bei diesem Beispiel ist die Annahme, dass für die 4 Bewohner*innen 15–20 Minuten je Bewohner*in benötigt werden. Dieser Zeitpuffer (1–1,5h) muss natürlich anderweitig aufgefangen werden, bspw. durch den Einsatz von Schüler*innen, Praktikant*innen oder (wenn möglich) Springer*innen.

  • Wohnbereich mit 30 Bewohner*innen à 4 Mitarbeiter*innen (jeweils Erhebung von 7–8 Bewohner*innen), 1 Bewohner*in/MA & Tag (= 15 Min/Tag) = Gesamtdauer: 7–8 Tage

Je mehr Anwender*innen an der Datenerhebung beteiligt sind, umso eher lässt sich diese in den Alltag integrieren. Wenn 4 Mitarbeitende jeweils 7–8 Bewohner*innen erheben, dann fällt für jeden einzelnen ein Zeitaufwand von ca. 15 Minuten am Tag an, damit nach 7–8 Tagen alle Bewohner*innen erhoben sind. Diese 15 Minuten lassen sich in der Regel in den Alltag integrieren, ohne auf zusätzliches Personal zurückgreifen zu müssen.

Es ist ratsam, einzelne Mitarbeitende an einem Tag nicht mehr als sechs Bewohner*innen einschätzen zu lassen.

Qualitätsprüfung: Chancen erkennen und nutzen

Das neue Verfahren stellt einen großen Fortschritt dar, denn es bildet Ergebnisqualität ab (wenn auch nicht vollumfänglich). Der Qualitätsgedanke sollte für Einrichtungen eine gute Motivation sein: Sie erhalten ein realistisches Bild der eigenen Qualität, erhoben durch das eigene Personal. Die Ergebnisse der Qualitätsprüfung können für das interne Qualitätsmanagement genutzt werden. Die alten Pflegenoten waren dafür zu unkonkret. Im neuen Verfahren geben hohe Indikatoren nun Rückschlüsse auf Defizite und Handlungsbedarf (z. B. durch erweiterte Angebote). Es sollten daher nicht nur Prozesse für die Erhebung, sondern auch für das Vorgehen im Nachgang der Prüfung im Sinne des PDCA-Zyklus etabliert werden. Auf längere Sicht enthält das Verfahren auch Hinweise auf die Wirkung von Qualitätssicherungsmaßnahmen und kann Einrichtungen zudem für den internen Vergleich (Wohnbereiche) dienen.

Text: Linda Englisch/Benjamin Lisci
© contrastwerkstatt

Sebastian Sudhoff

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