Digital Recruiting II: Active Sourcing. Lange Bewerbungsprozesse waren gestern

Active sourcing
  • Dienstag, 28 August 2018 13:55
  • Drucken

Viele Unternehmen – auch in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft – stehen bundesweit vor neuen Herausforderungen: die Arbeitsmarktsituation und der damit verbundene Fachkräftemangel erfordern ständig neue Methoden, vor allem bei der Personalsuche. Was kann ein Unternehmen tun, wenn kurzfristig eine Fach- oder Führungskraft ausscheidet? Wie kann diese Position schnell wiederbesetzt werden? Findet man kurzfristig jemanden, der geeignet ist?

Das sind nur einige Fragen, die in solch einer Situation aufkommen können. Antworten auf die Fragen hat Michael Malovecky, Leiter Recruiting bei der contec GmbH. Im Interview beantwortet der Experte einige relevante Fragen zum Thema Active Sourcing.

Was ist Active Sourcing und was für Vorteile bringt es mit?

Active Sourcing beschreibt ein Instrument der proaktiven Personalbeschaffung, in welchem Organisationen bzw. die Personalverantwortlichen in einen direkten und aktiven Kontakt mit den potentiellen Bewerbenden treten. Man versucht, durch unterschiedlichste Kanäle Kandidaten aktiv anzusprechen und für seine Arbeitgebermarke zu begeistern und verfolgt dabei das Ziel, ein langfristiges Kandidatennetzwerk aufzubauen. Das sogenannte Candidate Relationship Management ermöglicht dem Unternehmen, in einen langfristigen, aber dennoch unverbindlichen Kontakt mit potentiellen Bewerbenden zu treten.

Nach und nach können Sie sich dadurch einen immer größer werdenden Kandidatenpool aufbauen – auf lange Sicht sparen Sie als Unternehmen Zeit und Kosten bei der Besetzung neuer Stellen. Denn sobald eine Stelle vakant ist, haben Sie einen besseren Zugriff auf passende Bewerbende und können so offene Stellen in Ihrem Unternehmen auch kurzfristig besetzen.

Und wie baut man sich ein solches Netzwerk auf?

Zunächst müssen geeignete Bewerberinnen und Bewerber identifiziert werden. Hier können berufliche Online-Netzwerkportale wie Xing oder LinkedIn oder auch Lebenslaufdatenbänke großer Online-Metajobbörsen bei der Suche helfen. Unternehmen können aber auch auf bereits vorhandene, unternehmensinterne Datenbanken z.B. auf Basis eines digitalen Bewerbungsmanagements zurückgreifen. Haben Sie potentielle Kandidaten gefunden, sollten Sie in die aktive Ansprache mit ihnen gehen.

Am einfachsten geht das telefonisch oder online über berufliche Netzwerke. Behalten Sie dabei im Hinterkopf, dass Sie eine dauerhafte Beziehung zu den Personen aufbauen und pflegen möchten – ganz im Sinne des Candidate Relationship Managements. Das ermöglicht Ihnen, sie als Mitarbeitende auch zu einem anderen Zeitpunkt kurzfristig zu gewinnen.

Was sollte man dabei alles beachten?

Das wichtigste bei der Ansprache potentieller Kandidaten ist die Wahl der Portale. Hier sollten zielgruppenspezifische Kanäle ausgesucht werden. Führungskräfte findet man oft in den gängigen Business-Netzwerken, wohingegen soziale Medien eine Plattform für Fachkräfte sind. Begrenzen Sie Ihre Suche jedoch nicht nur auf die digitalen Medien. Verbinden Sie das Active Sourcing mit einem persönlichen Beziehungsmanagement. Suchen Sie den persönlichen Kontakt zu potentiellen Kandidaten, besuchen Sie relevante Veranstaltungen der Branche, z.B. Kongresse oder Messen. Denn auch hier tummeln sich etliche mögliche Bewerbende.

Leider findet das Active Sourcing in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft noch viel zu wenig Einsatz. Das kann unterschiedliche Gründe haben: vielen Unternehmen fehlt noch die Erfahrung, einige möchten ihr Personal auch lieber über die herkömmlichen Wege suchen. Außerdem müssen gewisse Rahmenbedingungen wie z.B. die Datenschutzrichtlinien beachtet werden. Wirft man nur einen kurzen Blick auf die Prozesse anderer Branchen und Tätigkeitsfelder der Privatwirtschaft, so steht fest, dass Unternehmen in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft nicht um das Active Sourcing herumkommen werden.

Herr Malovecky, vielen Dank für das Interview!
Text: Ewa Kulas, Projektassistentin contec GmbH