eHealth in der Pflege: Das müssen Sie wissen

eHealth
Montag, 19 August 2019 11:40

Die Digitalisierung bleibt branchenübergreifend ein allgegenwärtiges Thema. Insbesondere angesichts neuer Entwicklungen im Bereich der Robotik nimmt das Thema auch in der Pflege immer weiter an Fahrt auf. Nachdem wir in Teil I unserer Artikelreihe zur Digitalisierung in der Pflege die Bedeutung des Themas hinsichtlich Chancen und Risiken für die Branche eingeordnet haben, stellen wir Ihnen hier eine mögliche Systematisierung der einzelnen Bereiche von eHealth vor und was es im Einzelnen zu beachten gilt.

Electronic Health, kurz eHealth, bezeichnete ursprünglich jene Dienstleistungen und Hilfsmittel im Gesundheitswesen, die auf Basis von Informations- und Kommunikationstechnologien funktionieren. Spätestens das E-Health-Gesetz von 2015  verlieh dem Begriff eine ganz neue Wertigkeit. Heute steht neben den einzelnen Technologien vor allem auch der Gedanke der Vernetzung von Informationen im Vordergrund. Wir fassen zusammen, was Sie über den Einsatz von eHealth in der Pflege wissen müssen.

Was ist eHealth?

eHealth-Lösungen lassen sich nach ihren verschiedenen Nutzenpotenzialen und Betrachtungsperspektiven untergliedern. So dient eCare der Diagnostik, der Therapie, der Entscheidungsfindung und Begleitung bzw. Beratung über eine räumliche Distanz hinweg. Der ebenfalls regelhaft verwendete Begriff des ‚Telemonitoring‘ ist Bestandteil von eCare. eAdministration bezieht sich auf Verwaltungsangelegenheiten wie die elektronische Patientenakte, Pflegedokumentation, Medikationspläne und weitere digitalisiert gelöste Verwaltungsaufgaben verschiedener Art. ePrevention umschließt jene Ansätze, die der Erhaltung des Gesundheitszustandes der Menschen dienen, insbesondere durch altersspezifische, aber eben auch Komfort-vermittelnde Assistenzsysteme oder sensorgestütztes Monitoring mit konkretem Bezug zur (drohenden) Funktionseinschränkung. eResearch ermöglicht Datenanalysen und Forschung, weltweiten Austausch und maschinelles Lernen. Dies kann die Basis für ,BigData‘ bilden, der vieldiskutierten Option von Therapieempfehlungen auf Basis systematischer Analysen von umfassenden Datenbeständen. eLearning kommt in der Aus-, Weiter- und Fortbildung zum Einsatz und beinhaltet u. a. Simulationssysteme, Plattformen für medizinische oder pflegerische Aus- und Weiterbildungssysteme etc. Je standardisierter die Themenfelder aufzuarbeiten sind, desto wirksamer können eLearning-Systeme eingesetzt werden.

Der rechtliche Rahmen: Ohne Einwilligung geht’s nicht

Die Umsetzung von eHealth-Lösungen bedingt immer die verbindliche Einwilligung der ,Betroffenen‘, also der Patient*innen bzw. Kunden und Kundinnen. Dies muss im Behandlungs- bzw. Pflegevertrag festgehalten werden. Besonderes Augenmerk gilt dem Datenschutz, insbesondere dem Schutz personenbezogener Daten. Es bietet sich an, persönliche Daten von den medizinisch-/pflegerischen Daten zu trennen. Die sichere und verschlüsselte Übertragung von Daten muss gewährleistet sein. Erfreulicherweise ist inzwischen ein Moment erreicht, wo Erfahrungen zu sachgerecht möglichen Lösungen für komplexe Datenschutzanforderungen verfügbar sind.

Weitere Voraussetzungen

Für die sinnvolle Einbindung von eHealth in der Pflege braucht es vor allem Gestaltungswillen und Mut zum Überwinden von Vorbehalten. Der Weg der Überführung von Projekten zu (Regel-)Versorgungsangeboten muss allerdings noch identifiziert werden. Besonders wichtig ist, dass Mitarbeitende in der Nutzung von eHealth-Lösungen geschult werden und das Thema in die Ausbildungscurricula integriert wird – der Part zur Digitalisierung in der Ausbildungsreform der Generalistik wird laut Trägerverbänden dafür wohl nicht ausreichen. Unstrittig ist auch, dass die aktuell bestehenden (finanziellen) Anreizmechanismen nach wie vor sektorisiert sind und der bereichsübergreifenden digitalisierten Prozessoptimierung entgegenwirken. Dieser Aspekt hemmt die weitere Entwicklung maßgeblich. Es braucht beider Perspektiven: grade aufgrund der Möglichkeiten, ‚digitalisiert‘ für Arbeitserleichterungen im jeweiligen Tätigkeitsfeld zu sorgen, ist die Nutzung der eHealth-Lösungen ein Gebot der Stunde. Veränderungen der Rahmenbedingungen des deutschen Gesundheits- und Sozialwesens müssen mittel- und langfristig einen weiteren entscheidenden Umsetzungsschub bringen.

Text: Marie Kramp
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Michael Uhlig

Michael Uhlig contec

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