Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil: Warum die Branche auf ESG und Green Deal setzen muss

Junge Kolleg*innen sitzen in einem modernen B├╝ro und arbeiten.
Dienstag, 04 Juni 2024 08:00

Nachhaltigkeit ist mehr als ein Trend – es ist ein Muss für Organisationen und Unternehmen. Mit steigendem politischem Druck und neuen gesetzlichen Regelungen müssen sich Unternehmen aller Größen und Rechtsformen mit dem Thema auseinandersetzen. Auch in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft, wo soziale Nachhaltigkeit besonders im Fokus steht, ist dies entscheidend. Die folgenden Punkte verdeutlichen, warum eine Nachhaltigkeitsstrategie für Sie unerlässlich ist und wie diese zur Erfüllung gesetzlicher Vorgaben sowie zur Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft beitragen kann.

Ab 2025 betrifft die Prüfungspflicht für Nachhaltigkeitsberichte in Deutschland nicht mehr nur große börsennotierte Unternehmen, sondern auch GmbHs, die bestimmte Schwellenwerte überschreiten. Diese Schwellenwerte werden in den kommenden Jahren weiter abgesenkt, sodass sukzessive mehr Unternehmen und Organisationen in die Berichtspflicht einbezogen werden. Bis spätestens 2030 müssen die gesetzlichen Vorgaben und Berichtspflichten verbindlich erfüllt werden. Unternehmen ohne Nachhaltigkeitsstrategien sind dann auch gesetzlich verpflichtet, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen und darüber zu berichten.

Sofort handeln: Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor

Unabhängig von der gesetzlichen Prüfungspflicht spielt Nachhaltigkeit zunehmend eine zentrale Rolle bei Finanzierungsfragen. Banken und andere Finanzinstitute verlangen immer öfter eine Nachhaltigkeitsstrategie als Bedingung für Kreditlinien und Investitionsdarlehen. Unternehmen ohne Nachhaltigkeitsstrategie werden daher künftig Schwierigkeiten haben, Finanzierungen zu erhalten. Dies wird sich voraussichtlich noch verstärken, da die regulatorischen Anforderungen der BaFin an die Kreditinstitute weiter zunehmen werden. Auch bei Fördermittelanträgen und Unternehmensbewertungen müssen Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten nachweisen. In Krisensituationen, wie bei Liquiditätsengpässen oder Defiziten, verlangen Gutachter*innen zur Fortführungsprognose nach IDW 6 (Institut der Wirtschaftsprüfer) eine Aussage zur Nachhaltigkeit. Selbst im Falle einer Insolvenz nach IDW S 11 müssen Unternehmen Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen.

Hinweis: Das Lieferkettengesetz (LkSG) und das Hinweisgeberschutzgesetz (HinSchG) verpflichten die meisten Unternehmen bereits heute zu einer nachhaltigen und transparenten Gestaltung ihrer gesamten Lieferkette, zur Installation eines Compliance-Management-Systems sowie zum Schutz von Hinweisgebern, die auf Missstände hinweisen. Wenn Sie sich bereits mit diesen Themen beschäftigen, sollten Sie diese strategisch um eine Nachhaltigkeitsstrategie erweitern. So können Sie Synergien nutzen und die gesetzliche Konformität sicherstellen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Personalakquise. Die jüngere Generation, insbesondere die Generation Z, legt großen Wert auf Nachhaltigkeit. Dies beeinflusst die Personalgewinnung und -bindung erheblich, da potenzielle Mitarbeiter*innen eher Unternehmen wählen, die nachhaltige Strategien verfolgen und publizieren. Insbesondere im Sozial- und Gesundheitswesen sind die aktuellen und zukünftigen Mitarbeitenden die wichtigste Ressource der Unternehmen und Organisationen, auch um kurz-, mittel- und langfristig einen Wettbewerbsvorteil zu generieren. Die Nachhaltigkeitsstrategie und Nachhaltigkeitsziele leisten dazu einen essenziellen Beitrag.

Insgesamt ist eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie daher nicht nur zur Erfüllung gesetzlicher Anforderungen notwendig, sondern auch zur Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft und zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit.

❗️Unternehmen, die frühzeitig handeln und Nachhaltigkeitsaspekte in ihre Strategie und Geschäftsprozesse integrieren, werden langfristig erfolgreicher sein.

ESG-Reporting: Die drei Säulen Umwelt, Soziales und Governance

Das ESG-Reporting (Environmental, Social, Governance) basiert auf den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen. Unternehmen müssen dabei nicht alle Kriterien erfüllen, sondern nachweisen, dass sie sich strategisch in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance ausrichten. Dies kann beispielsweise durch Maßnahmen wie die Reduzierung des Energieverbrauchs, die Förderung von Chancengleichheit oder die Verbesserung der Arbeitsbedingungen geschehen.

Die Kriterien des ESG-Reportings umfassen diverse Themen wie Klimawandel, natürliche Ressourcen, Umweltverschmutzung und Humankapital. Dazu gehören auch Aspekte wie Produktqualität, Gesundheit, Stakeholdermanagement, Corporate Governance, Unternehmensverhalten sowie Finanzierung und Buchhaltung. Besonders im Sozial- und Gesundheitswesen wird erwartet, dass neben dem Klimaschutz auch soziale Belange und eine adäquate Governance und Compliance gewährleistet werden. Dies ist entscheidend für die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, die Finanzierungsfähigkeit des Unternehmens sowie die Attraktivität als Arbeitgeber und die Reputation Ihres Unternehmens.

Der Europäische Green Deal: Ein Plan für Klimaneutralität

Der europäische Green Deal ist die Antwort der EU auf die Sustainable Development Goals der UN. Ziel ist es, Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen. Ein Zwischenziel ist die Senkung der Emissionen bis 2030 um 55 % gegenüber dem Jahr 1990.

Die konkreten Zielsetzungen des Green Deals umfassen:

  • Reduzierung der PKW-Emissionen um 55 % und der LKW-Emissionen um 50 %
  • Emissionsfreie Neuwagen bis 2035
  • Nutzung erneuerbarer Energien bis 2030 auf 40 %
  • Ein Drittel der weltweiten öffentlichen Mittel für den Klimaschutz kommt von der EU (inklusive Mitgliedsstaaten)

Unabhängig davon, ob Sie sich an den SDGs oder den Kategorien des Green Deals orientieren, bleibt das übergeordnete Ziel dasselbe: Nachhaltigkeit und Klimaneutralität. Nach dem europäischen Berichtsstandard (ESRS) ist der Bereich „Klimaveränderung (E1)“ für den Nachhaltigkeitsbericht Pflicht für alle Unternehmen und Organisationen.

Wie Sie eine Nachhaltigkeitsstrategie implementieren

Die Implementierung einer Nachhaltigkeitsstrategie beginnt mit einer gründlichen Analyse des Status quo und der Identifizierung relevanter Daten und Nachhaltigkeitsfaktoren. Sie sollten sich einen Überblick über die Nachhaltigkeitsanforderungen und -möglichkeiten in Ihrer Organisation verschaffen. Basierend auf dieser Analyse können Sie spezifische Maßnahmen entwickeln und umsetzen, wie etwa Energieeffizienzmaßnahmen, die Nutzung erneuerbarer Energien, die Förderung der Mitarbeitenden und die Verbesserung der Governance-Strukturen.

In einem umfassenden Nachhaltigkeitsbericht und bei der Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie geht es darum, die wesentlichen Themen zu identifizieren, die für das Unternehmen wichtig sind. Diese Themen werden anhand verschiedener Relevanzebenen betrachtet:

  • 1. die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele,
  • 2. die Bedeutung für den Unternehmenserfolg und
  • 3. die Erwartungen der Stakeholder.

Im Zuge der doppelten Wesentlichkeitsanalyse werden sowohl die Auswirkungen des Unternehmens auf die Außenwelt (Inside-Out-Perspektive) als auch die Auswirkungen externer Faktoren auf das Unternehmen (Outside-In-Perspektive) berücksichtigt, um eine fundierte Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln. Durch diesen umfassenden Ansatz wird sichergestellt, dass die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens sowohl effektiv als auch relevant ist.

Die entwickelten Strategien müssen natürlich in die Praxis umgesetzt werden, beispielsweise durch die Anpassung der Bau- und Betriebsstandards, die Schulung der Mitarbeitenden und die Anpassung der internen und externen Kommunikation. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie ist die Entwicklung und Weiterbildung der Mitarbeitenden. Themen wie Gleichstellung, Vielfalt, Chancengleichheit und Integration spielen eine zentrale Rolle.

Maßgeschneiderte Lösungen finden

Die spezifischen Maßnahmen können je nach Geschäftsbereich und Unternehmenszweck unterschiedlich ausfallen. Daher sollten Sie bei der Auswahl und Anpassung Ihrer Nachhaltigkeitsmaßnahmen die spezifischen Rahmenbedingungen Ihrer Organisation im Auge behalten. Faktoren wie der bestehende Gebäudebestand, der aktuelle Energieverbrauch und die genutzten Energieträger sind entscheidend.

Die Operationalisierung der Nachhaltigkeitsstrategie erfordert klare und umsetzbare Pläne. Dies kann die Anpassung von Bau- und Betriebsstandards umfassen, wie etwa die Entscheidung, nur noch energetisch effiziente Gebäude zu mieten oder zu bauen. Maßnahmen zur Rückgewinnung von Energie durch Solar-, Photovoltaik- oder Windkraft können ebenfalls Teil der Strategie sein. Zu den zentralen Themen gehören außerdem die Reduzierung von PKW- und LKW-Emissionen, der Umstieg auf Elektrofahrzeuge für Dienstfahrten und die Förderung von Ladeinfrastruktur. Es ist wichtig, dass Sie pragmatische und wirtschaftlich tragfähige Lösungen finden.

Fazit: Nachhaltigkeit als Schlüssel zum Erfolg

Alle Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe und Rechtsform, müssen sich über kurz oder lang mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Gesetzliche Anforderungen, finanzielle Vorteile und die Erwartungen der Stakeholder machen eine Nachhaltigkeitsstrategie unverzichtbar. Wenn Sie frühzeitig handeln und eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln, erfüllen Sie nicht nur gesetzliche Vorgaben, sondern stärken auch Ihre Wettbewerbsfähigkeit proaktiv und werden langfristig erfolgreich sein.

 

Der Autor Matthias Adler berät als Mitglied der Geschäftsleitung der contec GmbH Unternehmen, Konzerne und Komplexträger insbesondere zu Strategie-, Reporting- und Finanzierungsthemen.

Text: Matthias Adler/Katharina Ommerborn
┬ę Gorodenkoff/shutterstock

Matthias Adler

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