Pflegedienstleitung: Eine Leitungsposition auf dem Prüfstand

Pflegedienstleitung
Freitag, 20 Januar 2017 14:31

Die Beratungserfahrungen der contec und die von conQuaesso® JOBS zeigen: Die Position der Pflegedienstleitung (PDL) ist besonders schwierig zu besetzen. Doch was sind die Gründe dafür? Und was muss passieren, um die Arbeit der PDL leistbar zu gestalten und somit einer Fluktuation von Leitungskräften vorzubeugen? contec-Organisationsberaterin Barbara Pews hat selbst Jahre lang als Pflegedienstleitung gearbeitet und weiß, der Rückhalt der Vorgesetzten sowie realistische Aufgabenverteilung und ein überschaubares Aufgabenspektrum sind wichtig.

Pflegedienstleitung: Eine attraktive Stellung mit vielen Möglichkeiten

Die Position der Pflegedienstleitung ist ein attraktives Karriereziel für Pflegefachkräfte mit Leitungsambitionen. Pflegemanagement ist eine fachlich anspruchsvolle und äußerst verantwortungsvolle Aufgabe, die für Leitungskräfte interessant ist, die einem komplexen Alltagsgeschäft gewachsen sind, moderne Konzepte in der Mitarbeiterführung umsetzen möchten und an der strategischen Fragestellungen zur nachhaltigen Platzierung einer Pflegeeinrichtung am Pflegemarkt mitarbeiten möchten.  Doch nicht jeder kann ohne weiteres zur Pflegedienstleitung aufsteigen. Grundlegend sind drei Fähigkeiten, die eine  Pflegedienstleitung mitbringen sollte: Da ist zunächst die unabdingbare, exzellente fachliche Qualifikation sowie Erfahrung in der praktischen Pflege (mindestens zwei Jahre Berufserfahrung als staatlich anerkannte Pflegefachkraft im Bereich der Alten- oder Krankenpflege laut SGB XI). In das Aufgabengebiet der PDL fällt unter anderem die Lösung pflegefachlicher Probleme. Die Kundschaft unterliegt einem stetigen Wandel, Einrichtungen werden zunehmend mit schwerstauffälligen oder schwer demenzkranken Menschen betraut und auch starke körperliche Beeinträchtigungen bedürfen eines sehr guten Fach- und Expertenwissens seitens der PDL. Dazu kommen fachliche Anforderungen, die eine hohe Methodenkompetenz voraussetzen. Die zweite Voraussetzung für eine erfolgreiche Ausführung der Pflegedienstleitung ist die persönliche Eignung. In einer leitenden Funktion, die zwischen den oberen Führungsebenen und den unterstellten Mitarbeitenden liegt, gilt es, einem gewissen Druck standhalten und auch negative Erfahrungen verarbeiten zu können sowie daraus die Motivation zu schöpfen, etwas Positives zu schaffen. Insbesondere diese Eigenschaft ist für das persönliche Wohlbefinden der leitenden Pflegeverantwortlichen sehr wichtig. Das dritte Merkmal, das eine gute PDL ausmacht, ist die Führungskompetenz. Die Verantwortung in dieser Position darf nicht unterschätzt werden. Je nach Größe der Einrichtung können einer PDL über 50 Mitarbeitende unterstehen und die Führungsverantwortung geht über die Dienstplangestaltung und die Beaufsichtigung der Pflegequalität deutlich hinaus. Sind diese drei Voraussetzungen gegeben, ist die Position der PDL ein durchaus attraktiver Schritt auf der Karriereleiter und öffnet Türen, sich in seiner Führungsposition zu verwirklichen oder aber weiter aufzusteigen.

Die Realität im Alltag: Branchenprobleme vereinen sich in einer Position

Obwohl die Position der PDL viele Gestaltungsmöglichkeiten und fachliche Herausforderungen beinhaltet, verzeichnen viele Träger immer wieder Fluktuation und längerfristigen Ausfall nach Überforderungsperioden im Arbeitsalltag. Mithilfe von Interim-Management lassen sich vorübergehende Ausfälle und Nachbesetzungsphasen überbrücken. Ziel sollte aber immer sein, diese Schlüsselposition auf lange Sicht mit passenden Leitungskräften zu besetzen. Contec-Beraterin Barbara Pews hat selber viele Jahre als PDL gearbeitet und begleitet nun Unternehmen u.a. bei der Einarbeitung neuer Führungs- oder Nachwuchsführungskräfte im Pflegemanagement. Sie weiß: Das Problem bei der Besetzung der Stelle ist, dass die Realität und der Anspruch des Stelleninhabers oder der Stelleninhaberin oft auseinanderstreben. Die Pflegedienstleitung ist z.B. direkt von Auswirkungen des Fachkräftemangels betroffen und muss diesen für die von ihr verantworteten Bereiche ausgleichen. Ein Branchenproblem – keine Frage – die Auswirkungen jedoch laufen im Verantwortungsbereich der Pflegedienstleitung zusammen und erschweren die Bewältigung des hochregulierten Pflegealltags enorm.

PDL wertschätzen und begleiten: Wie Sie die Leitungsposition langfristig besetzen

Erfolgsrelevant für die Ausübung der Pflegedienstleitungsstelle ist, dass das Pflegemanagement eine für die verantwortliche Person „lösbare“ Aufgabe bleibt. Eine Pflegedienstleitung ist eine Führungsposition, von der nicht erwartet werden kann, dass sie neben den vielfältigen und anspruchsvollen Führungsaufgaben auch noch regelmäßig in die Schichtabdeckung verplant wird, um Lücken in der Pflegefachkraftbesetzung auszugleichen. Das wäre ein Stellenprofil, dem niemand gerecht werden kann. „Der Job der PDL muss leistbar bleiben und die Komplexität der Aufgabe einer Pflegedienstleitung muss mit der Qualifikation der jeweiligen Führungskraft vereinbar sein.“, so Barbara Pews. Was Sie Ihrer Pflegedienstleitung gewähren sollten, ist neben monetären Attraktivitätsfaktoren und einer leistbaren Positionsbeschreibung vor allem eine gute Einarbeitung und die Möglichkeit zur passgenauen Weiterqualifikation, um den sich stetig im Wandel befindenden Anforderungen an den Beruf gerecht werden zu können.

Einblick in die Praxis: contec berät Unternehmen im Rahmen eines Recovery-Programms

Die contec hat mit ihrem Recovery-Programm für die Schlüsselposition PDL ein Beratungskonzept entwickelt, das Unternehmen der Pflegebranche hilft,  Nachwuchsführungskräfte in der Pflege passgenau prozessbegleitend zu qualifizieren und in die erfolgsrelevanten Kernprozesse des Pflegemanagements einzuarbeiten. Die richtige Vorbereitung auf das komplexe Aufgabengebiet ist das A&O für das langfristige Gelingen der Zusammenarbeit. Das Konzept eignet sich auch für Hochschulabsolventen, die neben ihrer fachlichen Qualifikation bereits viel methodisches  Know-How mitbringen. Die Probezeit bietet sich zur intensiven Einarbeitung an.

Erste Projekte konnten erfolgreich abgeschlossen werden, so z.B. bei der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal gemeinnützige GmbH. Der Träger konnte die Stelle der stellvertretenden Pflegedienstleitung für die mobile Pflege  mit einer Nachwuchsführungskraft besetzen, die sowohl über erste Kenntnisse und Erfahrungen in der ambulanten Pflege verfügt und darüber hinaus berufsbegleitend einen akademischen Abschluss mit dem Schwerpunkt  Pflegemanagement absolviert. Im Rahmen der Einarbeitung durchlief die neue Pflegeleitung das Recovery-Management der contec und wurde prozessbegleitend für die eigenverantwortliche Bearbeitung der Kernprozesse des Pflegemanagements auch bezogen auf die durch die Geschäftsführung identifizierte trägerindividuelle Problemstellung qualifiziert. Der Effekt übertraf die Erwartungen: die Leitungskraft wurde in der Funktion etabliert und durch die gemeinsame Fokussierung konnte neben dem Wissenstransfer auch eine Verbesserung des Controllings und der operativen Kennzahlen erreicht werden. Darüber hinaus ist die neue stellvertretende Leitungskraft auch für den Palliativbereich und dessen Ausbau zuständig – eine weitere Herausforderung, der sich eine PDL stellen muss.

Für Fragen zum Recovery-Management steht Ihnen Barbara Pews gern zur Verfügung: barbara.pews@contec.de.

Text: Marie Kramp
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Thorsten Böger

Thorsten Böger contec

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